Pausen im Arbeitsalltag: Gold wert und keine Zeitverschwendung

8. September 2016, 14:38
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Weder Gehirn noch Körper des Menschen sind für Dauerbetrieb ausgelegt. Der klinische Psychologe Hannes Beran gibt Tipps zu Erholung vom Arbeitsstress

Wichtig sind vor allem Pausen, sagt Hannes Beran, der sich vor allem mit Arbeits- und Gesundheitspsychologie auseinandersetzt. "Ob körperliche Belastung, Sitzen oder Konzentration und Aufmerksamkeit, der Organismus braucht Pausen um immer wieder durchzuatmen, Anspannung zu unterbrechen und dem Gehirn Verarbeitungszeiträume zu geben." Keine Pause bleibe ungenutzt oder wäre Zeitverschwendung, sagt der klinische Psychologe.

Je nach Art der Beschäftigung müsse der Ausglich davon abgeleitet werden. Beran empfiehlt:

  • Wer lange sitzt muss immer wieder aufstehen und sich bewegen.
  • Wer lange vor einem Bildschirm sitzt muss nicht nur sich bewegen, sondern auch die Augen zwischen nah und fern pendeln lassen.
  • Wer sich intensiv konzentriert, muss der Spannung davon hüpfen.
  • Wer dabei falsch atmet (also Alle ohne Ausnahme) muss immer wieder in die Entspannungsatmung finden.
  • Wer viel im Dunklen ist muss immer wieder ans Tageslicht.
  • Wo es laut ist, braucht es Hörpausen.

Die Regel sei einfach: "Das Pendel muss auch auf die andere Seite schwingen und gerade soviel, als der Pendelschwung der Leistung hoch ist." Im Organismus sei das eine qualitative Komponente. 92 Minuten hohe Konzentration im Sitzen könne man also durch drei Minuten intensives Hüpfen ausgleichen.

Allerdings ist der Weg zur Erholung nicht unkompliziert: "Leider sagt uns unser Gehirn nicht so einfach: jetzt wäre ausgleichen gut. Wenn es gerade spannend, aufregend oder wichtig ist, schütten wir Stresshormone und Botenstoffe aus, die genau das Wahrnehmen dieser Informationen reduzieren." Spannung und Grenzüberschreitung würden trotzdem passieren. "Unsere Gehirne sind all zu oft Illusionsbringer und die Realitäten (innen und außen) werden kaum jemals abgebildet", sagt Beran.

Was es deshalb brauche seien feste Regeln. Beran:

  • Im Normaltag alle 90 Minuten eine kurze Pause machen und je nach Art der Beschäftigung ausgleichen.
  • An intensiveren Tagen immer dann, wenn ein wesentlicher Arbeitsschritt geleistet ist (Sitzung, Telefonat, dringendes Schriftstück, etc.)
  • Nach der Arbeit ist immer noch genügend Restspannung im Organismus vorhanden daher heißt Entspannung nicht noch zusätzliches Verarbeiten von vielen neuen Spannungsgebern. Internet, Fernseher, Mails, Facebook, Whatsapp, etc. sind kaum zur Entspannung zu gebrauchen, blaues Licht ist ein zusätzlicher Aktivator.
  • Sich wach zu machen, bevor man Schlafen geht ist absoluter Unfug und bringt über die Zeit eine ganze Reihe an Erkrankungen des Organismus.
  • Die Müdigkeit übergehen, um mehr vom Tag zu haben, bringt immer eine Reduktion der Schlafqualität und mehr Müdigkeit am nächsten Tag, was wiederum zu erhöhter Spannung führt, die Leistungsfähigkeit extrem reduziert und in noch mehr Erholungs- und Schlafproblemen mündet.
  • Guter Schlaf ist lebenswichtig, wird aber leider zu oft vernachlässigt. (red, 8.9.2016)
  • Durchatmen, Anspannung unterbrechen und dem Gehirn Verarbeitungszeiträume geben: Pausen sind im Arbeitsalltag unabdingbar, sagt der klinische Psychologe Hannes Beran. Damit die Erholung klappt brauche es feste Regeln.
    foto: istock

    Durchatmen, Anspannung unterbrechen und dem Gehirn Verarbeitungszeiträume geben: Pausen sind im Arbeitsalltag unabdingbar, sagt der klinische Psychologe Hannes Beran. Damit die Erholung klappt brauche es feste Regeln.

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