Nicht nur Jugendliche sind in staatlicher Lehrausbildung

7. September 2016, 05:30
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Die SPÖ strebt die Verlängerung der Ausbildungspflicht von 18 auf 25 Jahre an. Schon jetzt gibt es ältere Lehrlinge

Wien – Die Ausbildungspflicht für Jugendliche bis 18 wurde erst im Juli vom Parlament beschlossen, in der SPÖ werden aber bereits Überlegungen für eine Ausdehnung gewälzt. Im ORF-Sommergespräch brachte Kanzler Christian Kern eine Ausbildungspflicht bis 25 ins Spiel. Im Sozialministerium präzisierte man am Dienstag allerdings, dass es sich dabei um eine "langfristige Vision" handle und in einem ersten Schritt wohl nur eine Ausbildungsgarantie und keine -pflicht realistisch sei.

Worum geht es? Derzeit gibt es nur für Jugendliche bis 18 eine Garantie, entweder einen schulischen Ausbildungsplatz oder einen Platz in einer überbetrieblichen Lehrausbildung zu bekommen. Diese Garantie wolle man bis zum Alter von 25 ausweiten, erklärt ein Sprecher von Sozialminister Alois Stöger (SPÖ).

Ältere in überbetrieblichen Lehrstellen

Nur weil es derzeit keine Garantie gibt, heißt das freilich nicht, dass nicht auch über 18-Jährige in den Genuss von überbetrieblichen Lehrstellen kommen. Zahlen dazu hat das Arbeitsmarktservice (AMS). Dort erklärte man auf Anfrage des STANDARD: Insgesamt befanden sich Ende August 2016 genau 7969 Personen in einer überbetrieblichen Lehrausbildung. 6175 davon waren jünger als 19 Jahre (eine Abfrage für unter 18-Jährige ist technisch nicht möglich). Immerhin 1766 Personen waren zwischen 19 und 25 Jahre alt. Und 28 Personen waren älter als 25. Darüber hinaus bietet das AMS natürlich zahlreiche Schulungsmaßnahmen für junge Jobsuchende an.

Bei der Ausbildungspflicht bis 18 drohen den Eltern Geldstrafen (100 bis 500 Euro), wenn ihre Kinder keiner Ausbildung nachgehen. Welche Sanktionen über 18-Jährigen drohen könnten, will man im Sozialministerium erst diskutieren. Wer beim AMS gemeldet ist und sich Fortbildungsprogrammen entzieht, kann freilich schon bisher sanktioniert werden. Konkret kann das Arbeitslosengeld vorübergehend gestrichen werden. Beziehern der Mindestsicherung kann ebenfalls die Leistung gekürzt oder gestrichen werden, wobei beim AMS wiederholt beklagt wurde, dass die Länder von dieser Möglichkeit kaum Gebrauch machen würden.

185.000 neue Jobs

Nicht wahnsinnig ehrgeizig ist ein anderes Ziel Kerns: Bis 2020 sollen 200.000 neue Jobs geschaffen werden, sagte er im ORF. In dieser Größenordnung wird das Jobplus aber ohnehin liegen – ganz ohne zusätzliche Maßnahmen. Das Wifo geht in seiner aktuellen Prognose davon aus, dass die Zahl der Beschäftigten bis 2020 um 185.000 steigen wird. (go, 7.9.2016)

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