Philippinischer Präsident: Leider keine Witzfigur

Kommentar6. September 2016, 17:00
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Der Wahnsinn hat bei Rodrigo Duterte Methode

Fast täglich hagelt es Beleidigungen, und sie werden immer bizarrer: Nach schlechten Scherzen über eine vergewaltigte und ermordete Missionarin, Verunglimpfungen des US-Botschafters ("schwuler Hurensohn") und des Papstes ("Zisch ab, Hurensohn!") sowie UN-Austrittsdrohungen ("Fickt euch, Vereinte Nationen!") war Barack Obama an der Reihe. Ihn bezeichnete der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte ebenfalls als "Hurensohn".

Dass Obama daraufhin ein geplantes Treffen der beiden absagte, kommt Duterte nicht ungelegen. Denn der Wahnsinn hat beim philippinischen Präsidenten Methode. Seine öffentliche Darstellung als fluchende Witzfigur soll einen anderen Wahnsinn zudecken, der weit weniger originell, aber umso bedrohlicher ist: Etwa 44 Menschen pro Tag sind seit seinem Amtsantritt Ende Juni der angekündigten Serie von Morden an angeblichen Kriminellen zum Opfer gefallen. Den jüngsten Anschlag islamistischer Terroristen in Davao nutzte der Fan von Exdiktator Ferdinand Marcos, um den "Zustand der Gesetzlosigkeit" über sein Land zu verhängen, der ihm zusätzliche Vollmachten gibt.

Im Sinne der klaren Worte, die Duterte bevorzugt, sei also gesagt, dass der Präsident der Philippinen kein alternder Witzeonkel mit Hang zur politischen Unkorrektheit ist. Er ist stattdessen ein zynischer Machtpolitiker, der seine Herrschaft auf Morddrohungen und Blutlachen baut. Ihn nicht für nette Fototermine zu treffen sollte keine Folge von Beleidigungen sein, sondern eine Frage von Prinzipien. (Manuel Escher, 6.9.2016)

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