Nach Reform: Großklubs lassen Superliga-Drohung fallen

6. September 2016, 16:39
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Mehr fixe Startplätze und mehr Geld machen Klubvereinigung froh, Abnabelung ist vom Tisch

Genf – Es gibt mehr Geld – und plötzlich haben sich alle lieb: Die Uefa und die einflussreiche Klubvereinigung ECA mit ihrem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge haben bis auf weiteres ihren Frieden gemacht. Statt der vorherigen Drohungen, eine eigene Superliga zu gründen, verbreitete die ECA nach ihrer Generalversammlung am Dienstag in Genf warme Worte – und erfreute sich ihres stärkeren Einflusses im Europa-Verband.

"Wir sind extrem zufrieden, wie sich das Verhältnis zur Uefa seit der Gründung der ECA im Jahr 2008 entwickelt hat", sagte Rummenigge. Die Neuerungen in der Champions League und Europa League, die ab der Saison 2018/19 vor allem die Topklubs noch reicher machen werden, seien "keine Revolution, sondern eine Evolution".

Privilegien für die Hautevolee

Bereits Ende August hatte die aktuelle Uefa-Führung noch vor der Präsidentenwahl (14. September) die Modifizierung verabschiedet. Künftig bekommen die vier besten Ligen des Kontinents vier feste Startplätze in der Gruppenphase der Königsklasse. Seit Jahren gehören ausschließlich Spanien, Deutschland, England und Italien zu diesem erlauchten Kreis. Sie stellen künftig immer mindestens 16 der 32 Teilnehmer – plus eventuell den Titelverteidiger.

Zudem rechnet die Uefa mit einer "signifikanten" Steigerung der Einnahmen aus allen Klub-Wettbewerben: Über drei Milliarden werden wohl künftig verteilt, und dank des neuen Verteilerschlüssels, der auch die Titel aus längst vergangenen Zeiten berücksichtigt, bekommen die Reichen noch mehr vom Kuchen.

Auch Fifa-Präsident Gianni Infantino, früher Uefa-Generalsekretär gibt sich zufrieden "Ich sehe die Reform positiv, denn im Großen und Ganzen ist es wichtig, gemeinsam Lösungen zu finden, um den Wettbewerb besser zu machen." Im Fußball werde es immer Überraschungen geben, so der Schweizer. Bisher habe noch kein Klub die Champions League zweimal hintereinander gewinnen können, "und das zeigt doch, wie hoch die Qualität und wie ausgeglichen die Spitze ist", findet Infantino.

Kommission gestaltet die Zukunft

Eine neue Kommission, in der zu gleichen Teilen Uefa-Offizielle und Abgeordnete der ECA sitzen, wird spätestens ab Ende 2016 die Entscheidungen zur Zukunft der Klub-Wettbewerbe treffen und die Details der Neuerungen erarbeiten. "Das ist ein Beweis dafür, dass die Stimme der Klubs im europäischen Fußball gehört und respektiert wird", sagte Rummenigge.

Die Klubs hatten ihren Druck zuletzt immer weiter erhöht, die Uefa parierte. An den Einnahmen aus der EM 2016 werden 659 europäische Vereine beteiligt. Insgesamt 150 Millionen Euro sollen als Abstellungsgebühren in die Kassen der Klubs fließen – 100 Millionen Euro für die EM-Endrunde und weitere 50 Millionen Euro für die Qualifikation. Nach der EM 2012 in Polen und der Ukraine hatten 575 Vereine insgesamt 100 Millionen Euro erhalten.

Zum Beispiel Bayern

Allein Bayern München dürften von der Uefa für die Abstellung von fünf deutschen und vier ausländischen Nationalspielern für die EM-Endrunde eine Summe von rund zwei Millionen Euro kassieren. "Dieses Geld wird mit Sicherheit dazu beitragen, die Entwicklung des Fußballs auf dem gesamten Kontinent weiter voranzutreiben", sagte Uefa-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti. (sid, red, 6.9.2016)

  • Der Vorsitzende Rummenigge ist extrem zufrieden.
    foto: reuters/balibouse

    Der Vorsitzende Rummenigge ist extrem zufrieden.

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