It-Schriften

14. Oktober 2016, 15:55
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Warum Mode-Logos oft auf der gleichen Schriftart basieren

Ist ja auch ein großer Name, Balenciaga! Deshalb auch in Großbuchstaben geschrieben, wie es die meisten Luxusmarken handhaben. Dazu in klarer, schnörkelloser Schrift gesetzt. Noch genauer betrachtet: Diese Buchstaben ähneln nicht nur denen vieler anderer Marken, sie sind nahezu identisch.

Balenciaga, Givenchy, Marc Jacobs, Aqua di Parma, Carven, Strenesse, sogar Zara Home – all diese Labels verwenden eine Form von Engravers Gothic. Einer serifenlosen Schrift, ohne feine Querlinien an den Enden der Buchstaben, minimalistisch im Design, dafür raumgreifend. So etwas wie die "It-Schrift" der vergangenen Jahre. Nicht nur in der Mode gibt es schließlich Trends, und nicht nur dort wird gern kopiert, in der Typography auch. Die meisten "Typefaces" sind also möglichst klassisch gehalten, trotzdem verraten sie einiges über die Zeit, in der sie entstanden sind, und die Marken, für die sie ausgewählt wurden.

"Jedes 'typeface' spricht gewissermaßen in einer bestimmten Sprache zu uns", sagt der Grafikdesigner und Typograf Paul Barnes vom Londoner Studio Commercial Type, der unter anderem das Design des "Guardian" und des Givenchy-Schriftzugs mitverantwortete. "Die zwischen dick und dünn changierenden Lettern einer Didot wirken extrem graziös, auch weil sie an die klassische Gravur von früher erinnern", sagt Barnes. "Diese Schrift signalisiert sofort: Luxus, Klasse – und dass der Absender sich all diesen Weißraum in und zwischen den Buchstaben leisten kann." Kein Zufall, dass auch für Marken wie Valentino oder Giorgio Armani eine Didot-Version gewählt wurde.

Die meisten Modehäuser ließen sich dem einen oder anderen Typo-Lager zuordnen – bis Yves Saint Laurent auftauchte: Er beauftragte 1963 den Posterdesigner A. M. Cassandre, der ihm ein Logo verpasste, das ambivalent und exaltiert war. Ein Hybrid aus Serifen- und serifenloser Schrift, weder kursiv noch gerade, womöglich auch eine Anspielung auf den Gendermix in Yves Saint Laurents Kollektionen. Später, in den 1980er- und 1990er-Jahren, dominierten dann die protzigen, eher maskulinen Schriften Futura und Helvetica: Dolce & Gabbana, Calvin Klein, Moschino – buchstäbliches "Living it large".

Womit wir schließlich bei der Engravers Gothic angelangt wären, die uns seit den Nullerjahren wieder besonders häufig über den Weg läuft. Eine extrem schlichte, aber doch zutiefst distinguierte Variante, wie die Didot eine klassische Gravurenschrift, die viele wohlhabende Leute noch immer auf ihre Visitenkarten drucken lassen.

"Allein dieses Gravurhafte signalisiert doch schon automatisch Luxus, etwa im Vergleich zu klassischen Druckschriften wie der Times New Roman", sagt Paul Barnes. Man müsse außerdem kein Font-Fanatiker sein, um mitzubekommen, dass der Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben relativ groß sei. "Du zeigst, dass du dir den Platz einfach leisten kannst, ohne zu dick aufzutragen", sagt Barnes. Also genau das Richtige zum ästhetischen Detoxen nach den 1990er-Jahren. (Silke Wichert, RONDO, 9.9.2016)

  • Diese Buchstaben ähneln nicht nur denen vieler anderer Marken, sie sind nahezu identisch.

    Diese Buchstaben ähneln nicht nur denen vieler anderer Marken, sie sind nahezu identisch.

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