Prozess gegen Salafistenprediger Sven Lau beginnt

6. September 2016, 15:26
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Gründer der "Scharia-Polizei" soll "Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige" gewesen sein

Düsseldorf – Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der Prozess gegen den deutschlandweit bekannten Salafistenprediger Sven Lau begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen Unterstützung einer ausländischen Terrorvereinigung vor. Er soll im Jahr 2013 von Deutschland aus als "verlängerter Arm" einer in Syrien aktiven Islamistengruppe agiert haben.

Neben einem großen Aufgebot von Journalisten verfolgten etwa 15 Glaubensbrüder des Angeklagten den Prozessauftakt. Sie winkten ihm lachend zu, als er den Gerichtssaal betrat. Der Vorsitzende Richter Frank Schreiber hat zunächst 30 Verhandlungstage bis Mitte Jänner 2017 anberaumt. Nach der Verlesung der Anklage wurde der nächste Prozesstermin auf den 13. September verschoben. Lau droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

"Armee der Auswanderer und Helfer"

Lau war laut Bundesanwaltschaft eine "Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige" vor allem aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf. Er soll so als "Bindeglied" zu der Islamistengruppe Jaisch al-Muhajirin wal-Ansar (Jamwa) fungiert haben. Nach deren Spaltung schloss sich der Bundesanwaltschaft zufolge der von Lau unterstützte Flügel der "Armee der Auswanderer und Helfer" der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) an.

Die Bundesanwaltschaft wirft Lau vor, in vier Fällen eine ausländische Terrorvereinigung unterstützt zu haben. So soll der deutsche Konvertit unter anderem im Spätsommer 2013 zwei Jihadisten an eine in Syrien stationierte Kampfeinheit der Jamwa vermittelt haben. Ende September 2013 soll Lau selbst nach Syrien gereist sein.

Lau ist eine schillernde Figur der radikalislamischen Salafisten. Für Schlagzeilen sorgte er etwa 2014, als er in Wuppertal für eine selbsternannte sogenannte Schariapolizei warb. Salafisten waren damals in der Stadt in Warnwesten mit dem Aufdruck "Schariah Police" durch die Straßen gezogen. (APA, Reuters, 6.9.2016)

  • Sven Lau sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft.
    foto: reuters/ina fassbender

    Sven Lau sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft.

  • Die Wuppertaler "Scharia-Polizei".
    foto: apa/epa/oliver berg

    Die Wuppertaler "Scharia-Polizei".

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