Thomas Frühmann und The Sixth Sense gehen in Pension

6. September 2016, 17:56
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Springreiter-Legende hat olympisches Silber gewonnen, der Westfalenwallach den Titel als bestes Springpferd der Welt

Wien – Bei den Vienna Masters 2016, die in der kommenden Woche starten, wird sich einer der erfolgreichsten Springreiter Österreichs aus dem aktiven Sport verabschieden: Thomas Frühmann und sein legendäres Pferd The Sixth Sense gehen in Pension. Damit macht der 65-Jährige wahr, was er immer angekündigt hat: Hört sein Pferd auf, hört auch er auf. Zwölf erfolgreiche Jahre liegen hinter ihm und dem 20 Jahre alten Wallach. "Der Sense ist ein Mensch, er versteht alles. Über die Jahre hat mir das Pferd beigebracht, wie ich mit ihm arbeiten muss", erinnerte sich Frühmann am Dienstag im Wiener Prater zurück.

"Er war sehr talentiert"

Kennengelernt hat sich das Erfolgsduo in Bayern. Frühmann sah The Sixth Sense dort auf einigen Turnieren springen. "Er hat schon damals mit sieben Jahren tolle Resultate erzielt. Er war sehr talentiert." Es war der Beginn einer Ära. Mit Sense wagte Frühmann im Jahr 2004 nach knapp zehn Jahren sein Comeback im internationalen Spitzensport. Zwei Jahre später gewannen die beiden die Riders Tour, The Sixth Sense wurde zudem zum besten Springpferd der Welt gewählt.

"Es zeichnet einen Profi aus, viele Pferde an die Spitze zu bringen", sagt Frühmann. Seine Erfolge auf dem Westfalenwallach sind nur die Höhepunkte einer langen Karriere. Bereits 1990 gewann er auf Grandeur als erster Österreicher überhaupt den Großen Preis von Aachen. Zwei Jahre später hängte er sich auf Genius bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona die Silbermedaille mit der Mannschaft um den Hals und gewann das Weltcup-Finale in Del Mar in den USA. Dabei wollte Frühmanns Vater eigentlich, dass er Medizin studiert.

Die Nadel im Heuhaufen

"Genius war auch ein sehr spezieller Charakter", erinnert sich Frühmann an die Erfolge mit dem Schimmel – genauso speziell wie The Sixth Sense. "Wenn er vor dem Springen nicht geäpfelt hat, hat er sich im Parcours nicht wohlgefühlt." Mit 20 Jahren ist für den Wallach nun aber Schluss. Und im Alter von 65 auch für Frühmann – obwohl er eine Rückkehr aus der Sportpension nicht zur Gänze ausschließen will. Das bleibt aber unwahrscheinlich. "Ende Jänner bin ich zum letzten Mal auf dem Pferd gesessen. Mir geht eigentlich nichts ab." Eher könnte sich Frühmann vorstellen, junge Pferde auszubilden und "vielleicht gute, junge Reiter zu unterstützen". Also von der Bühne hinter den Vorhang zu wechseln. "Als Rentner habe ich viel mehr Zeit, mich mit einem Pferd zu beschäftigen. Die hat ein Profi nicht."

Für ein Comeback müsste er außerdem erneut ein Spitzenpferd finden. "Vielleicht finden wir noch einmal die Nadel im Heuhaufen. Das ist uns ja schon einmal gelungen." Für diese Nadel, für The Sixth Sense, gibt es am Samstag nächster Woche eine Abschiedstour. Und die gelte auch für ihn selbst, sagt Frühmann. Im Rahmen des Vienna Masters vor dem Springen der Global Champions Tour werden beide offiziell verabschiedet. Noch halten sich die Emotionen in Grenzen, "im Moment geht es mir gut. Aber vor den Leuten wird es bestimmt hart werden."

Max Kühner am Start

Beim Vienna Masters geht Max Kühner, Österreichs aktuelle Nummer eins im Springsport, an den Start. "Die Global Champions Tour ist die Formel 1 des Pferdesports", sagt er. Gesprungen wird in diesem Jahr auf der umgebauten Trabrennbahn Krieau, wo es laut Veranstalter Gregor Gschlenk mehr Platz als vor dem Rathaus gibt. "Die Pferde und Lkws können dort bleiben, es gibt keinen Stress beim Verladen."

Neben Kühner sind zahlreiche weitere Spitzenreiter aus der ganzen Welt angekündigt. "Das Feld ist in den vergangenen Jahren breit geworden, es gibt viele mögliche Gewinner." Frühmann, der das Vienna Masters mitorganisiert, wird es jedenfalls nicht sein. "Ein gutes Pferd spricht mit dem Reiter, gibt ihm den Zugang. Thomas hat den großen Geist von The Sixth Sense gesehen. Die beiden hatten sich gefunden", sagt er den baldigen Pensionisten zum Abschied. (Katharina Siuka, 6.9.2016)

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Das Vienna Masters findet vom 15. bis 18. September auf der Trabrennbahn Wien-Krieau statt, neben den Bewerben gibt es ein Musikfestival und Events für Kinder

  • Ein Busserl zum Abschied: Thomas Frühmann herzt seinen Sense vor dem Riesenrad.
    foto: apa/harald schneider

    Ein Busserl zum Abschied: Thomas Frühmann herzt seinen Sense vor dem Riesenrad.

  • Max Kühner (links), Österreichs aktuelle Nummer eins im Springsport, mit Frühmann und The Sixth Sense vor dem Riesenrad.
    foto: apa/kyra hertel

    Max Kühner (links), Österreichs aktuelle Nummer eins im Springsport, mit Frühmann und The Sixth Sense vor dem Riesenrad.

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