Steirischer Archäologe Diether Kramer gestorben

6. September 2016, 12:29
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Der Experte für Ur- und Frühgeschichte war für zahlreiche Ausgrabungsfunde und Ausstellungen verantwortlich

Graz – Der steirische Prähistoriker und Archäologe Diether Kramer ist Anfang September im Alter von 74 Jahren gestorben, wie das Universalmuseum Joanneum am Dienstag bekannt gab. Er hatte zahlreiche Publikationen über die Ur- und Frühgeschichte im Alpenraum verfasst und Ausgrabungen am oststeirischen Kulm, im weststeirischen Großklein und in der Landeshauptstadt Graz vorgenommen bzw. geleitet.

Kramer (geb. 22. Jänner 1942) ist laut Universalmuseum Joanneum (UMJ) am 1. September verstorben. Er hatte 30 Jahre am steirischen Landesmuseum gewirkt, von 1977 bis zu seiner Pensionierung 2007. 1981 schloss er sein Doktoratsstudium der Prähistorischen Archäologie an der Universität Salzburg mit der Dissertation "Vom Neolithikum bis zur römischen Kaiserzeit. Untersuchungen zur ältesten Besiedelungsgeschichte der Steiermark, mit besonderer Berücksichtigung der mittelsteirischen Höhensiedlungen" ab. Von 1998 bis 2007 leitete er dann das Referat "Ur- und Frühgeschichtliche Sammlung". Zu der Sammlung gehören zwei weltberühmte Artefakte – der aus Bronze gefertigte "Kultwagen von Strettweg" (7. Jhd. v. Chr.) und die Bronzemaske (6. Jhd. v. Chr.) vom Kröllkogel bei Großklein.

Ab 2001 war Kramer Honorarprofessor für "Prähistorische Archäologie und Mittelmeerarchäologie" an der Karl-Franzens-Universität Graz. Kramer war seit 1991 Ausschussmitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark.

Hallstattzeitliche Fürstengräber

Höhepunkte seiner jahrzehntelangen Grabungstätigkeit waren die Projekte auf den prähistorischen Höhensiedlungen der Steiermark und die Nachgrabung des Kröllkogels, eines der Fürstengräber der Nekropole der hallstattzeitlichen Siedlung auf dem Burgstallkogel nahe des südweststeirischen Großklein. Ergebnis seiner engen Zusammenarbeit mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz war die Neurestaurierung des Strettweger Kultwagens.

Der Archäologe kam auf mehr als 180 Veröffentlichungen, darunter mehrere Monografien, und kuratierte zahlreiche Ausstellungen. Er war mit Kollegen in Deutschland, Ungarn, Slowenien und Kroatien vernetzt und auch im Gebiet der historischen Burgenforschung als Mitglied des Comite permanent von Chateau Gaillard im unteren Seine-Tal tätig. Kramer wirkte auch in der Kommission zur Feststellung von Zerstörungen am kulturellen Erbe Kroatiens im Zuge der Jugoslawienkriege mit.

Bei den Grabungen – zum Teil Notgrabungen im Zuge von Bauarbeiten – im Hof des Joanneums, am Grazer Hauptplatz und am Karmeliterplatz stieß er auf Teile der gotischen Stadtmauer, auf mittelalterliche Hausreste und auf Gräber der Urnenfelderkultur. Die Resultate machten zum Teil eine Neubetrachtung der Grazer Stadtgeschichte notwendig. Bei den Grabungen kamen in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice stets Langzeitarbeitslose zum Einsatz, einige fanden dadurch wieder einen Einstieg ins Berufsleben. (APA, 6.9.2016)

  • Diether Kramer wirkte 30 Jahre lang am Joanneum in Granz.
    foto: universalmuseum joanneum

    Diether Kramer wirkte 30 Jahre lang am Joanneum in Granz.

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