Ehemaliger macOS-Entwickler durfte nicht in Apple Store arbeiten

6. September 2016, 11:14
75 Postings

John Scheinberg brachte das System auf Intel-Rechner – keine Rückmeldung nach Jobinterview für Genius Bar

Der Entwickler John Kullmann Scheinberg spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte von Apples Betriebssystem für Notebooks und Desktoprechner, macOS. Er war es, der das Projekt "Marklar" ins Leben gerufen und geleitet hatte. Im Rahmen dieses streng geheim gehaltenen Unterfangens wurde macOS auf Intel-Rechner gebracht, was letztlich den Abschied von Apple von der zuvor genutzten PowerPC-Plattform einleiten sollte.

"Wir bleiben in Kontakt"

In einem Kommentar zu Altersdiskriminierung am Jobmarkt gibt New York Times-Autor Ashton Applewhite nun einen Einblick in das weitere Leben von Scheinberg, der 2008 nach 21 Jahren im Unternehmen seinen Posten räumte. Auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit bewarb er sich schließlich bei einer von Apples Genius Bars, jenem Bereich von Apple Stores, in denen üblicherweise Produktberatung und Support erfolgen. Aufgrund seiner Erfahrung, so dachte Scheinberg, könnte er dort eine wertvolle Verstärkung sein.

Beim Gruppeninterview war er nach eigener Einschätzung der mit Abstand älteste Teilnehmer. Alle drei Verantwortlichen traten dennoch nach den Gesprächen an ihn heran und versicherten ihm, sich bald bei ihm zu melden. "Ich habe nie wieder von ihnen gehört", wird er schließlich zitiert.

Dass ihm letztlich sein Alter zum Verhängnis geworden war, ist eine naheliegende, wenn auch nicht beweisbare Vermutung. Apple ist dafür bekannt, in den Stores hauptsächlich jüngere Mitarbeiter zu beschäftigen. Scheinberg arbeitet laut seinem LinkedIn-Profil heute im Management der von ihm mitgegründeten Xamax-Gruppe.

Wie macOS auf Intel-Rechner kam

Die Geschichte der Portierung von macOS ist durchaus bemerkenswert. Nach monatelangen Experimenten auf eigens zusammengestellten Intel-Rechnern unter strenger Geheimhaltung in seinem Homeoffice, sei Scheinberg die Idee gekommen, dass sich das Betriebssystem eigentlich auch auf einem handelsüblichen Sony Vaio-Rechner ausführen lassen sollte. Eine Ziel, das schnell das Interesse des damaligen Vizechefs der Softwareabteilung, Bertrand Serlet, weckte.

Dieser fragte, wie lange es dauern würde, um das System prinzipiell auf so einem Rechner zum Laufen zu bringen. Während Serlet von mehreren Wochen ausging, stellte Scheinberg ein Ergebnis binnen drei Stunden in Aussicht, schreibt MacRumors.

Schließlich wurde bei einem nahe gelegenen Computerhändler das teuerste Vaio-Modell gekauft, am Abend bootete erstmals macOS erfolgreich auf dem Gerät. Am Folgetag setzte sich Firmenchef Steve Jobs ins Flugzeug nach Japan, um sich mit dem Präsidenten von Sony zu treffen. Dort war man an einer Lizenzierung allerdings nicht interessiert – Apple entschloss sich schließlich, eigene Rechner zu bauen. (gpi, 06.09.2016)

  • John Scheinberg war maßgeblich für die Umsetzung von macOS auf Intel-Rechnern verantwortlich.
    foto: jk scheinberg / linkedin.com/in/jdkullmann

    John Scheinberg war maßgeblich für die Umsetzung von macOS auf Intel-Rechnern verantwortlich.

Share if you care.