2:1 in Georgien: Eine sehr mühsame Wiederbelebung

5. September 2016, 20:19
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Das ÖFB-Team startet mit einem glücklichen Sieg in die WM-Quali. Die Leistung berauschte nicht, die drei Punkte zählen

Österreichs Teamchef Marcel Koller hat vom Beginn "einer neuen Ära" gesprochen, insofern hat er durchaus mutig gehandelt, er ließ die bei der EM in Frankreich glorios gescheiterte Mannschaft nämlich unverändert. Bis auf eine Ausnahme, aber die war erzwungen, Christian Fuchs wollte nicht mehr, er ist zurückgetreten. Markus Suttner machte gegen Georgien den Fuchs links in der Viererkette. Den Rest bildeten exakt jene, die am 14 Juni in Bordeaux den EM-Auftakt gegen Ungarn 0:2 verloren hatten.

Allerdings auch jene, die sich so wunderbar qualifiziert hatten. Es gab in der Boris Paichadze Dinamo Arena gleich der Jubilare, Aleksandar Dragovic, David Alaba und Zlatko Junuzovic bestritten jeweils ihr 50. Länderspiel, für den ÖFB war es das 750., auf diese Zahl wird das Trio natürlich niemals kommen. Julian Baumgartlinger debütierte in Tiflis als Kapitän, er hatte ja angekündigt, man dürfe jetzt nicht aktionistisch sein, sondern müsse die alten, bewährten Tugenden reanimieren. Koller: "Wir haben Fußball nicht verlernt."Die Georgier, die Nummer 118 der Weltrangliste, wurde gleich in der ersten Aktion gefährlich, das war nach 17 Sekunden.

Premiere für Hinteregger

Die Österreicher schickten sich aber an, nach diesem Schock-Momenterl die Kontrolle zu übernehmen, Marko Arnautovic wurde zum auffälligsten Akteur, und das ist positiv gemeint. Der Ball schien mitunter an seinen Füßen zu picken. Marc Jankos Kopfball ging noch knapp über die Querlatte (10.), jener von Martin Hinteregger nicht. 16. Minute: Freistoßflanke David Alaba, der Augsburg-Legionär rennt sich frei, wird übersehen, schraubt sich in die Höhe, nickt zum 1:0 ein. Für den Innenverteidiger war es im 18. Einsatz das Premierentor.

Interessanter- oder auch dummerweise schlichen sich infolge aber viele Fehler ein, einige verdienten durchaus das Prädikat "haarsträubend". Die sehr engagierten Gastgeber kamen zu drei Großchancen, sie scheiterten im Abschluss aber an sich selbst. 42. Minute. Der eher zurückhaltend wirkende Zlatko setzt Arnautovic ein, der trickst die halbe Viererkette aus, seine Flanke ist weich wie zerlassene Butter. Janko sagt danke, köpfelt das 2:0, er hat schon kompliziertere Tore erzielt Der Mittelstürmer hält nun bei 27 Stück, ist die Nummer fünf der ewigen österreichischen Bestenliste. In Tiflis hat er den legendären Mathias Sindelar überholt.

Nach Anschluss Panik

Die Partie war vorerst einmal gegessen, die zweite Halbzeit konnte entspannt angegangen werden. Georgien bewies freilich Moral, das war ehrenwert. 65. Minute: Valeri Kazaishvilli trifft die Stange. Koller wechselte Alessandro Schöpf, Marcel Sabitzer und den Debütanten Michael Gregoritsch ein, Junuzovic, den mäßigen Martin Harnik und Janko aus. 78. Minute: Jano Ananidze zieht ab, gegen diesen wunderbaren Weitschuss ist Robert Almer machtlos, 1:2.

Und das ÖFB-Team hatte den Stress, wirkte panisch, unfreiwillig aktionistisch, wankte, Schöpf rettete auf der Linie (84). Schlusspfiff. Durchatmen. Vom Resultat her ist der Start in die WM-Qualifikation geglückt. Eine fußballerische Wiederbelebung war es freilich noch lange nicht, der Beginn der neuen Ära wurde wohl verschoben. Am besten auf den 6. Oktober, an diesem Tag gastiert Wales in Wien. Drei Tage später findet das Auswärtsspiel in Belgrad gegen Serbien statt. (Christian Hackl, 5.9. 2016)

WM-Qualifikation, Gruppe D, Montag

Georgien – Österreich 1:2 (0:2)
Tiflis, Boris Paichadze Dinamo Arena, 30.000 Zuschauer, SR Alexej Kulbakow (BLR)

Tore:
0:1 (16.) Hinteregger
0:2 (42.) Janko
1:2 (78.) Ananidze

Georgien: Loria – Lobzhanidze (84. Chanturia), Amisulashvili (76. Okriashvili), Kverkvelia, Navalovski – Jighauri, Daushvili, Kashia, Ananidze, Dvalishvili (63. Skhirtladze) – Kazaishvili

Österreich: Almer – Klein, Dragovic, Hinteregger, Suttner – Baumgartlinger, Alaba – Harnik (72. Sabitzer), Junuzovic (67. Schöpf), Arnautovic – Janko (77. Gregoritsch)

Gelbe Karten: Hinteregger, Almer

Stimmen:

Marcel Koller (Teamchef Österreich): "Es war natürlich schon Glück dabei. Auf der anderen Seite hatten wir noch die eine oder andere gute Möglichkeit. Wenn Janko das 3:0 macht, ist es gelaufen. In der ersten Hälfte haben wir gut gespielt. Wir haben versucht, den Spielaufbau hinzubekommen. Das hat sich dann auch in den zwei Toren widergespiegelt. In der zweiten Hälfte haben wir in der einen oder anderen Situation zu leicht den Ball verloren. Es war jetzt wichtig, hier zu gewinnen. Gegen Wales werden wir mehr Rhythmus haben, da sind die Spieler auch in der Liga schon weiter."

Marc Janko (Torschütze Österreich): "Ich denke, hier ist es nicht einfach zu bestehen. Georgien ist eine sehr heimstarke Mannschaft. Wir haben es vermisst, das 3:0 zu machen und die eine oder andere Aktion besser zu Ende zu spielen. Am Ende war es eine Zitterpartie, aber es zählen die drei Punkte. Ein Start mit dem richtigen Ergebnis war wichtig. Andere Mannschaften müssen erst einmal hier herkommen und drei Punkte machen."

Julian Baumgartlinger (Kapitän Österreich): "Es war nicht unbedingt hübsch, aber wichtig, dass wir gewonnen haben. Es war das erwartet schwere Spiel, jetzt zählen einmal die drei Punkte. Wir hatten die Chance zum 3:0, die haben wir nicht gemacht. Dann war klar, dass Georgien noch einmal alles versucht. Sie haben es uns nicht einfach gemacht. Wir haben unser Pflichtaufgabe erfüllt, gut in die Qualifikation zu starten. Wir sind wieder in der Spur, das soll im Herbst erfolgreich weitergehen."

Vladimir Weiss (Teamchef Georgien): "Wir haben gut gespielt, aber leider hat das Ergebnis nicht gepasst. Man muss aber auch berücksichtigen, dass Österreich eine qualitativ hochwertige Mannschaft hat. So viele Chancen hat sich die georgische Nationalmannschaft schon lange nicht mehr erarbeitet, vor allem nicht gegen einen Gegner mit solcher Klasse."

Vladimir Weiss (Teamchef Georgien): "Wir haben gut gespielt, aber leider hat das Ergebnis nicht gepasst. Man muss aber auch berücksichtigen, dass Österreich eine qualitativ hochwertige Mannschaft hat. So viele Chancen hat sich die georgische Nationalmannschaft schon lange nicht mehr erarbeitet, vor allem nicht gegen einen Gegner mit solcher Klasse."

  • Martin Hinteregger (3. von links) erfuhr in Tiflis erstmals das Gefühl, Teamtorschütze zu sein.
    foto: reuters/mdzinarishvili

    Martin Hinteregger (3. von links) erfuhr in Tiflis erstmals das Gefühl, Teamtorschütze zu sein.

  • Neo-Kapitän Julian Baumgartlinger: "Es war nicht unbedingt hübsch, aber wichtig, dass wir gewonnen haben."
    foto: apa/jäger

    Neo-Kapitän Julian Baumgartlinger: "Es war nicht unbedingt hübsch, aber wichtig, dass wir gewonnen haben."

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