Für Ecclestone wäre auch Wolff ein Guter

5. September 2016, 18:10
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Der anstehende Verkauf der Formel 1 an das US-Unternehmen Liberty Media lässt die Gerüchte ins Kraut schießen. Geschäftsführer Bernie Ecclestone befeuert die Spekulationen durch Lob für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff

Monza – Bernie Ecclestone hat am Wochenende im Rahmen des Europafinales in Monza dem Magazin Auto, Motor und Sport den Verkauf der Formel 1 bestätigt. Details nannte der 85-jährige Brite nicht. Käufer soll das Medien- und -Kommunikationsunternehmen Liberty Media des 75-jährigen US-Amerikaners John Malone sein. 8,5 Milliarden Dollar könnte der Mehrheitseigentümer, das Luxemburger Finanzunternehmen CVC Capital Partners, herausgeschlagen haben. Die erste von zwei Raten sei schon am Dienstag fällig, hieß es.

Auf der Bremse

Der zuständige CVC-Chef, Donald Mackenzie, rechnet aber offensichtlich nicht mit dem Vollzug des Geschäfts in den kommenden Tagen. "Ich wäre überrascht, wenn es in dieser Woche irgendeine Bekanntgabe geben würde", sagte Mackenzie der Daily Mail. Und er trat auch Spekulationen über einen schnellen Abgang von Ecclestone entgegen. "Soweit ich weiß, geht Bernie nirgendwohin. Nichts hat sich geändert."

Ecclestone selbst hat aber offenbar diebischen Spaß am Gerede, er könnte nach gut 40 Jahren relativ rasch aus der Vermarktung der Königsklasse aussteigen. Und so gab er auch bereitwillig zu Protokoll, dass er Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff die Führung der Formel 1 zutraue. "Absolut. Er hat die Fähigkeiten und das Geschick, diese Aufgabe zu übernehmen", sagte Ecclestone der Bild-Zeitung. Wolff, der seit Anfang 2013 als Motorsportchef bei den Deutschen wirkt und das Team in dieser Zeit an die Spitze führte, pries in Monza seinerseits die Verdienste des langjährigen Zirkusdirektors Ecclestone. "Er hat ein Imperium aufgebaut. Und wir alle profitieren von diesem Imperium", sagte der 44-jährige Wiener. "Bernie hat es zu dem gemacht, was es ist."

Dass die Formel 1 frisches Geld brauchen kann, sei klar: "Wenn es einen Investor gibt, der Anteile kaufen will, ist das eine gute Nachricht für die Formel 1." Es gebe zudem durchaus Dinge, die man vom amerikanischen Weg lernen könne.

Über die Zukunft von Ecclestone an der Vermarktungsspitze wollte Wolff nicht spekulieren. Ecclestone, der im kommenden Monat 86 Jahre alt wird, äußerte sich selbst nur vage. "Ich tue, was ich immer getan habe", sagte er, "es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme." Bei einem Besitzerwechsel hätte er jedenfalls wenig Mitspracherecht.

Schon in der Vergangenheit hatte Ecclestone für Verwirrung gesorgt, wenn es um den Verkauf der Anteile von CVC ging. Interessenten aus den USA, aus Katar und China brachte er ins Gespräch. Schon vor rund einem Jahr galt US-Milliardär Stephen Ross als Käufer. Die vom Besitzer des Footballklubs Miami Dolphins geleitete Investmentfirma RSE Ventures arbeitet eng mit einem katarischen Konsortium zusammen. Von einer Einigung per Handschlag war die Rede, Ecclestone kündigte eine Abwicklung bis Jahresende 2015 an.

Mehr Chance als Risiko

Sollte der Verkauf über die Bühne gehen, ist es zumindest bei Liberty Media unwahrscheinlich, dass das Wohl der Formel 1 weiterhin in Ecclestones Händen liegt. Eher mitmischen wird Chase Carey, der Vizepräsident des Medienunternehmens 21st Century Fox und langjähriger Geschäftspartner von Malone. Die Vermarktung des Motorsportspektakels könnte sich grundlegend ändern. Sollten etwa die Bewegtbildrechte zur mit Abstand größten Einnahmequelle werden, wäre das eine gute Nachricht für angeschlagene Rennveranstalter. Derzeit erzielt Ecclestone seine Erlöse zu einem großen Teil aus den Antrittsgagen, die den Streckenbetreibern abverlangt werden. "Mehr Chance als Risiko" sei das im Schwange befindliche Geschäft, sagte daher Daimler-Vorstand Dieter Zetsche am Sonntag bei RTL. (APA, sid, red, 5.9.2016)

  • Toto Wolff voll des Lobes für Ecclestones Rolle als Vorreiter.
    foto: apa/epa/suki

    Toto Wolff voll des Lobes für Ecclestones Rolle als Vorreiter.

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