Immobilienkonzern: Neuer Anlauf zur Conwert-Übernahme

5. September 2016, 17:40
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Tektonische Verschiebungen haben bereits einige gescheiterte Fusionen angekündigt. Nun bietet Vonovia 2,9 Milliarden für Conwert

Wien – Die jüngere Vergangenheit von Conwert verlief ausgesprochen unruhig, nun winkt dem Wiener Immobilienkonzern die Aussicht auf stabilere Verhältnisse unter einem neuen Mehrheitsaktionär. Der deutsche Mitbewerber Vonovia kündigte für November ein bis zu 2,9 Milliarden schweres Übernahmeangebot an und weiß dabei das Conwert-Management unter Konzernchef Wolfgang Beck hinter sich – früher übrigens selbst beim potenziellen Käufer tätig, als dieser noch unter Deutsche Annington firmierte.

Schon im Vorfeld hat sich Vonovia die Unterstützung des 26-Prozent-Aktionärs Adler Real Estate gesichert, ebenso will Verwaltungsratschef Alexander Proschofsky das Aktienpaket seiner Investmentgesellschaft Cube andienen. Auch der 1,7 Prozent, die Conwert an eigenen Aktien hält, darf sich der Vonovia-Vorstandsvorsitzende Rolf Buch sicher sein. Er erwartet daher, dass das Offert angenommen wird, das an das Erlangen von mehr als 50 Prozent der Aktien geknüpft ist.

Sieben Mio. Euro an Synergie

Das stärkste Interesse dürfte Buch an den Conwert-Wohnungen in Deutschland hegen, die in Wien gelegenen Einheiten in annähernd derselben Anzahl betrachtet er als interessante Beimischung, über die künftig das lokale Management entscheiden müsse. Die Gewerbeimmobilien dürften jedoch bei einem Gelingen der Übernahme bald nicht mehr Teil von Conwert sein, kündigte Buch an. Durch die Integration der Wiener will er ab 2018 operative Synergien von jährlich sieben Millionen Euro heben.

Auch der unbequeme Investor Petrus Advisers wird, wie Partner Klaus Umek auf STANDARD-Anfrage sagte, den Deal "unterstützen". Man hätte sich zwar gewünscht, dass das Conwert-Management die gestellten Aufgaben selbst geschafft hätte, ist aber mit der nunmehrigen Lösung zufrieden. Immerhin habe sich der Wert der Aktie durch die geplante Übernahme im Vergleich zu früheren Verkaufsvorhaben deutlich erhöht, Conwert passe zudem auch gut zum Portfolio der Deutschen.

Geboten werden 74 Vonovia-Aktien für 149 Conwert-Anteilsscheine, das entspricht gemessen am Freitag-Schlusskurs 17,58 Euro je Conwert-Aktie. Alternativ kann diese auch gegen eine Barzahlung von 14,20 Euro angedient werden. An der Wiener Börse stieg das Papier daraufhin auf knapp über 17 Euro, Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger bezeichnete das Angebot in einer ersten Reaktion als "aus heutiger Sicht interessant und attraktiv". Jedenfalls liegt die aktuelle Offerte über jenen 11,50 Euro je Aktie, mit denen im Februar 2015 die Deutsche Wohnen nach Conwert greifen wollte, aber an einer zu geringen Annahmequote scheiterte.

Bewegte Vergangenheit

Das Aktienpaket von Ex-Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner ging daraufhin auf Reisen und landete zunächst beim israelischen Milliardär Teddy Sagi, der es vor gut einem Jahr an Adler Real Estate weiterreichte. Inzwischen wurden bei Conwert der Chefsessel mit Beck neu besetzt und schwelende Aktionärsstreitigkeiten über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates beigelegt.

Gegründet würde Conwert Immobilien Invest im Jahr 2001 von den Wiener Immobilienentwicklern Günter Kerbler und Johann Kowar, die bereits im Jahr darauf die Gesellschaft zwecks weiteren Wachstums an der Wiener Börse notieren ließen. Im Jahr 2003 erfolgte der erste Expansionsschritt nach Deutschland. Von Eco Business übernahm Conwert 2009 Wohnimmobilien, im Jahr darauf wurde das ganze Unternehmen mehrheitlich übernommen. Seit 2011 ist Conwert im Leitindex ATX der Wiener Börse vertreten.

Deal gescheitert

Die ebenfalls 2001 als Deutsche Annington gegründete Vonovia ist in Frankfurt gelistet und seit September 2015 Dax-Mitglied. Im selben Jahr versuchte Vonovia übrigens den Mitbewerber Deutsche Wohnen in einer 14 Milliarden Euro schweren, feindlichen Übernahme zu schlucken. Der Deal scheiterte jedoch ebenso an einer zu schwachen Zustimmung der Aktionäre wie der Griff von Deutsche Wohnen nach Conwert.

In Österreichs Immobilienbranche dürfte auch abseits des aktuellen Deals kein Stein auf dem anderen bleiben. Nach drohenden Bietergefechten und Beteiligungsversuchen wollen die Manager von CA Immo und Immofinanz noch im diesem Monat über eine geordnete Fusion beider Gesellschaften beraten. Angestrebt wird ein fairer und transparenter Prozess. Sollten die Gespräche erfolgreich verlaufen, ist bei beiden Gesellschaften eine Drei-Viertel-Mehrheit der Eigentümer erforderlich. Somit gilt auch hier, was Verwaltungsratschef Proschofsky über das aktuelle Conwert-Angebot sagt: "Am Ende wird der Aktionär entscheiden." (Alexander Hahn, 5.9.2016)

  • Deutsche Wohnen hat 2015 bei Conwert auf Granit gebissen. Nun dürfte für Vonovia die Ampel für eine Übernahme auf Grün stehen.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Deutsche Wohnen hat 2015 bei Conwert auf Granit gebissen. Nun dürfte für Vonovia die Ampel für eine Übernahme auf Grün stehen.

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