Amon: "Ich liebe den Diskurs"

Interview5. September 2016, 16:36
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Der neue Generalsekretär tritt an, das ÖVP-Profil zu schärfen. Landesparteien und Bünde sieht er als Stärke der Partei

Wien – Seit Montag ist Werner Amon Generalsekretär der ÖVP. Er soll das politische Profil der Volkspartei nach außen hin schärfen – etwas, das sein Vorgänger Peter McDonald laut Amon "nicht so stark" betrieben habe. Im STANDARD-Interview spricht er sich gegen vorgezogene Neuwahlen aus und gesteht seine Liebe zum Diskurs.

STANDARD: Ihr Vorgänger ist abgetreten, weil er meinte, sein Ziel des Endes der Wadlbeißerei nicht schnell genug erreicht zu haben. Was wollen Sie anders machen?

Amon: Ich definiere mich nicht so sehr über meinen Vorgänger. Jeder hat seinen Arbeitsstil. Peter McDonald hat sicherlich in der Organisation nach innen ganz gut gewirkt. Er hat die Profilierung nicht so stark über die inhaltliche Auseinandersetzung nach außen betrieben. Der Parteichef ist der Meinung, dass es nach McDonalds Wechsel in die Wirtschaft jetzt die Möglichkeit gibt, die inhaltliche Profilierung stärker voranzutreiben. Das mache ich auch gerne, denn ich liebe den Diskurs.

STANDARD: Die Profilschärfung hat – von der Partei gewollt oder nicht – Klubchef Reinhold Lopatka in den letzten Jahren übernommen. Nehmen Sie das Lopatka jetzt weg, muss er zurückfahren?

Amon: Um Gottes willen, wir sind ein Team, und jeder hat seine ganz spezifischen Aufgaben. Ich bin ja auch Mitglied des Parlamentsklubs, was kürzere Wege in der Kommunikation ermöglicht. Das ist ein Vorteil gegenüber meinem Vorgänger. Da wird keiner dem anderen etwas wegnehmen, wir werden uns sehr gut ergänzen.

STANDARD: Ihre Vorgänger sind jung in dieses Amt gekommen. Sie sitzen seit 1994 im Nationalrat – ein Signal für Beständigkeit?

Amon: Ich glaube, der Parteiobmann hat mich gefragt, weil er mich lange kennt, weil er meine durchaus professionelle Art kennt und mir vertraut, diese sicher nicht ganz einfache Aufgabe in einer nicht ganz einfachen Zeit wahrzunehmen. Ich bin völlig dagegen, irgendwelche Dinge vom Alter oder vom Geschlecht abhängig zu machen.

STANDARD: Die ÖVP wirkt manchmal gelähmt vom Zusammenspiel – im weitesten Sinn – der Bünde und der Landesparteien. Eine Herausforderung für Sie als Generalsekretär?

Amon: Gelähmt wäre sie ja nur, wenn es kein Zusammenspiel gäbe. Ich bin sehr für dieses Zusammenspiel. Das ist letztlich die Stärke der Volkspartei. Entscheidend sind dabei die Koordinierung, der Teamgeist und die Linie der Partei insgesamt. Die schärfen wir.

STANDARD: Sehen Sie beim Teamgeist noch Potenzial in der Partei?

Amon: Ich sehe beim Teambuilding noch einiges Potenzial. Wir müssen viel miteinander reden, wir müssen die Themen gut setzen und dabei koordiniert vorgehen.

STANDARD: Wollen Sie die Legislaturperiode jedenfalls regulär durchhalten?

Amon: Ich bin fest an der Parteibasis verankert und treffe bei keiner Veranstaltung jemanden, der mich händeringend bittet: Gehts endlich wählen. Ich sehe darin keinen Sinn, wem soll das nützen? Die Probleme sind nach der Wahl die gleichen.

STANDARD: Die Landeshauptmänner der Steiermark und Oberösterreichs sagen, die Partei müsse sich gut überlegen, wann man das "Trumpf-Ass" Sebastian Kurz ausspiele. Wann ist es so weit?

Amon: Wir haben ja insgesamt gute Karten. Und wir überlegen uns sehr genau, wann wir welche Karte ziehen. Aber das werde ich Ihnen nicht sagen. Wenn es notwendig ist, werden wir unsere Trümpfe ausspielen. Und auch die Asse. (Sebastian Fellner, 5.9.2016)

  • "Der Parteichef ist der Meinung, dass es nach McDonalds Wechsel in die Wirtschaft jetzt die Möglichkeit gibt, die inhaltliche Profilierung stärker voranzutreiben", sagt der neue ÖVP-Generalsekretär Werner Amon.
    foto: matthias cremer

    "Der Parteichef ist der Meinung, dass es nach McDonalds Wechsel in die Wirtschaft jetzt die Möglichkeit gibt, die inhaltliche Profilierung stärker voranzutreiben", sagt der neue ÖVP-Generalsekretär Werner Amon.

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