Flexible Arbeitszeit bringt Männern mehr Gehalt – den Frauen nicht

5. September 2016, 13:25
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Forscherinnen sehen traditionelle Rollenverteilung im Haushalt als Ursache

Düsseldorf – Ein Wechsel auf Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit schlägt sich einer Studie in Deutschland zufolge bei Männern in der Regel in einem Gehaltsplus wieder – bei Frauen dagegen nicht. Selbstbestimmte Arbeitszeit berge die Gefahr, dass sich Geschlechterungleichheiten verstärken, erklärten am Montag die Wissenschafterinnen Yvonne Lott und Heejung Chung.

Als Ursache vermuten sie die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit im Privatleben. Frauen nutzten flexible Arbeitszeiten in erster Linie, um ihren familiären Pflichten nachkommen zu können, erklärten Lott und Chung. Männer dagegen würden eher mehr arbeiten.

Diskriminierung durch ArbeitgeberInnen

Immer mehr Erwerbstätige könnten selbst über Arbeitsbeginn und Feierabend bestimmen, konstatierten die Soziologinnen von der Hans-Böckler-Stiftung und der University of Kent. Sie untersuchten nun anhand von Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) in Deutschland aus den Jahren 2003 bis 2011, wie sich dies auf die Gleichstellung von Mann und Frau auswirkt.

Unter anderem fanden sie heraus, dass Männer bei einem Wechsel in Gleitzeit oder komplett selbstständiges Arbeiten in der Regel mehr Überstunden machen. Und sie erzielen der Studie zufolge mehr Einkommen: Bei ihnen steigt der Jahresbruttolohn im Schnitt um 1.200 Euro bei Gleitzeit und um 2.400 Euro bei vollständiger Arbeitszeitautonomie. Selbst wenn der Überstunden-Effekt herausgerechnet wird, bleiben Zuwächse von 1.100 und 2.100 Euro.

Das Lohnplus der Männer beruhe also nicht nur auf der Vergütung der Mehrarbeit, sondern dürfte auch eine Belohnung für höheres Engagement und mehr Produktivität sein, konstatierten die Forscherinnen. Bei weiblichen Beschäftigten seien dagegen keine signifikanten Auswirkungen auf das Gehalt nachweisbar. Dies deutet den Forscherinnen zufolge darauf hin, dass auch Diskriminierung durch Arbeitgeber eine Rolle spiele: Vorgesetzte scheinen Frauen weniger Engagement und Produktivität als Männern zuzuschreiben, selbst wenn sie ihre Leistung mit flexiblen Arbeitszeiten vergleichbar steigern. (APA, 5.9.2016)

  • Frauen würden flexible Arbeitszeiten in erster Linie dazu nutzen, um ihren familiären Pflichten nachkommen zu können, heißt es in der Studie.
    foto: keystone/gaetan bally

    Frauen würden flexible Arbeitszeiten in erster Linie dazu nutzen, um ihren familiären Pflichten nachkommen zu können, heißt es in der Studie.

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