Antonio Fian: Vollverschleierung

5. September 2016, 11:20
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Arbeiterwohnung in Wien

(Herr und Frau Arbeiter beim Frühstück. Butterkipferl und Filterkaffee. Herr Arbeiter blättert in der Kronen Zeitung.)

HERR ARBEITER: Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich das einmal sage, aber: Bravo, ÖVP, bravo, Kurz! Dass die Vollverschleierung verboten werden soll, ist wirklich höchste Zeit. Weil seit dem Schüssel wird ja ununterbrochen voll verschleiert. Eurofighter, Buwog, Telekom, weißt du noch? Oder dieser Mensdorff-Pouilly! Unterm Kurz wäre der längst im Häfen.

FRAU ARBEITER (seufzt): Du verstehst wieder einmal gar nichts. Beim Vollverschleierungsverbot geht es nicht um verschleierte Geldflüsse, sondern um die Kleidung von den muslimischen Frauen.

HERR ARBEITER: Was, die Modeindustrie hängt auch mit drin?

FRAU ARBEITER: Nein! Vollverschleierungsverbot bedeutet, dass sich die muslimischen Frauen nicht so anziehen dürfen, dass man ihr Gesicht nicht sieht, verstehst du?

HERR ARBEITER: Warum nicht?

FRAU ARBEITER: Weil das entwürdigend ist für die Frauen. Außerdem weiß man nicht, wer unter so einer Burka wirklich steckt, wenn man das Gesicht nicht sieht. An der Grenze ist so was natürlich ein Problem. Da könnte ja zum Beispiel auch ein Selbstmordattentäter drunter sein mit einem Sprengstoffgürtel.

HERR ARBEITER (nach längerem Überlegen): Stimmt. Da könnte alles Mögliche drunter sein. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie beim Grasser irgendwann eine Burka finden.

(Vorhang)

(Antonio Fian, 5.9.2016)

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