Bundespräsidentenwahl: Haselsteiner inseriert, Kickl rotiert

5. September 2016, 10:30
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FPÖ empört über Kampagne des Industriellen gegen blauen Hofburg-Kandidat Hofer

Wien – Eine brennende Zündschnur auf der Homepage, die vor den Anheizern an der FPÖ-Spitze warnt; eindringliche Inserate in den Tageszeitungen, die die Konsequenzen eines Öxit aufzeigen: Der Industrielle Hans Peter Haselsteiner (72), einst beim Liberalen Forum, seit Gründung der Neos deren Gönner und nun finanzkräftiger Unterstützer von Bundespräsidentschaftsanwärter Alexander Van der Bellen, lässt erneut mehrere Hunderttausend Euro springen, um gegen den blauen Hofburg-Kandidaten Norbert Hofer zu mobilisieren.

"Kommt Hofer. Kommt Öxit. Kommt Arbeitslosigkeit", ist seit Wochenbeginn auf Haselsteiners eindringlichen Sujets zu lesen – oder wahlweise "kommt Pleitewelle". Demnächst, kündigte der frühere Strabag-Boss an, werde er weitere Mitstreiter präsentieren.

Kickl geißelt Angstkampagne

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl hielt dem "selbst ernannten Paradeliberalen" und ORF-Stiftungsrat am Montag prompt eine "substanzlose Angstkampagne" vor – denn dessen Warnungen vor einem Bundespräsidenten Hofer samt Öxit seien "Schwachsinn".

Tatsächlich hat Hofer im Juli frühere Aussagen revidiert, wonach im Falle eines EU-Beitritts der Türkei oder einer stärkeren Zentralisierung der Union auch hierzulande ein Austrittsreferendum fällig wäre. "Ich will nicht, dass Österreich aus der Union austritt – weil es ein Fehler wäre", sagte Hofer damals.

Besorgte Wirte, Hoteliers, Industrielle

Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl findet Haselsteiners Kampagne dennoch nicht zu dick aufgetragen – auch wenn er diese nicht näher kommentieren will. Aber: Im Zuge des Wahlkampfes des ehemaligen grünen Chefs, versichert er, sei man neben Normalbürgern auch auf viele Wirte, Hoteliers und eben auch Großindustrielle gestoßen, die sich sorgen, dass es mit Hofer an der Staatsspitze zu herben Umsatzeinbußen kommen könnte – "weil die FPÖ seit Jahren Stimmung gegen die Union macht".

Le Pen lässt grüßen

Wie Lockl führt auch Neos-Chef Matthias Strolz ins Treffen, dass Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National erst am Wochenende ihren Landsleuten ein Plebiszit über den Austritt Frankreichs aus der Union in Aussicht gestellt hat, sollte sie dort im Frühjahr zur Präsidentin gewählt werden – "und wir wissen, in welcher Gesellschaft sich die FPÖ befindet", sagt Strolz.

Ob bei Haselsteiners großzügigem Investment genug für die Neos bleibe, die er zuletzt bei der Wien-Wahl unterstützt hat? Der Neos-Boss konziliant: "Haselsteiner ist privater Unternehmer, bisher politisch stets dafür eingetreten, was ihm ein echtes Anliegen ist." Er könne mit seinem Geld also "tun und lassen, was er will". (Nina Weißensteiner, 5.9.2016)

  • Hans Peter Haselsteiner warnt vor einer Öxit-Debatte, wenn Hofer in die Hofburg einzieht: Für Österreich würde das "schwersten Schaden" bedeuten.
    foto: apa / hans klaus techt

    Hans Peter Haselsteiner warnt vor einer Öxit-Debatte, wenn Hofer in die Hofburg einzieht: Für Österreich würde das "schwersten Schaden" bedeuten.

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