Unwetter in Kärnten: Mehrere Häuser in Afritz unbewohnbar

5. September 2016, 08:28
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Wieder Murenabgänge, Straße gesperrt – Hagelunwetter in Südweststeiermark

Afritz am See / St. Veit/Glan / Voitsberg – Über Kärnten, Teilen der Süd- und Weststeiermark und dem Burgenland sind am späten Sonntagnachmittag und -abend Regen- und Hagelunwetter niedergegangen. Im bereits Ende August von Vermurungen betroffenen Afritz (Villach-Land) mussten Häuser im Ortsteil Kraa evakuiert werden. Zahlreiche Häuser sind bis auf weiteres unbewohnbar geworden. In der Steiermark waren vor allem Köflach und Lieboch betroffen, meldeten Landespolizeidirektion Kärnten, Feuerwehr und ÖAMTC.

Afritzer Ortsteil von Mure verwüstet

In Afritz wurde am Sonntagabend ein kompletter Ortsteil von einer Mure verwüstet. 40 Häuser in der Ortschaft Kraa wurden beschädigt, 163 Personen in Sicherheit gebracht – sie verbrachten die Nacht bei Verwandten oder in Pensionen. Die Bewohner durften am Montag nur kurz in ihre Häuser zurück, um Wäsche und Medikamente zu holen, wurde zu Mittag in einer Bürgerinformation verkündet. Am Vormittag waren Experten im Einsatz, um zu entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. Verletzt wurde niemand.

Im Kernbereich des Erdrutsches sind die Häuser bis zu zwei Meter hoch verschüttet. Man rechnete damit, dass es noch Tage brauchen würde, bis die Unwetterschäden beseitigt sind. Ab Dienstag sollen sich auch 100 Bundesheersoldaten an den Arbeiten beteiligen. Vertreter der Gemeinde riefen dazu auf, nicht unkoordiniert zum Helfen nach Afritz zu kommen. Es sei auch immer wieder vorgekommen, dass Schaulustige Fahrverbote missachtet hätten. Es bestehe Lebensgefahr, hieß es von den Behörden.

"Was soll ich noch sagen, wenn der halbe Ort unter einer Schlammschicht liegt", sagte der Afritzer Bürgermeister Maximilian Linder (FPÖ). Derzeit gelte es, einen von Vermurungen verschütteten Bach wieder in sein Bachbett zu bringen – dann wird geklärt, ob und wann die Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren können. "Momentan wird mit schweren Maschinen gearbeitet, es sind etwa 70 Helfer im Einsatz", sagte Linder. Am Dienstag soll das Bundesheer mit 100 Mann in Afritz für Aufräumarbeiten eingesetzt werden, die Feuerwehren werden durch einen Katastrophenzug verstärkt.

Straßensperren in Bezirken St. Veit und Villach-Land

Kärntens Katastrophenschutzreferent Peter Kaiser war nach einer Krisensitzung im Afritzer Gemeindeamt für einen Lokalaugenschein in den betroffenen Gebieten. Es grenze "schon fast an ein Wunder" und sei "dem perfekten Zusammenspiel und der umsichtigen Koordination der Einsatzkräfte geschuldet", dass zumindest kein Mensch zu gesundheitlichen Schäden gekommen sei, erklärte Kaiser.

Die Millstätter Straße (B98) zwischen Villach und Spittal musste ebenfalls gesperrt werden. Auch die Metnitztal-Landesstraße (L62) auf Höhe von Oberhof in der Gemeinde Metnitz (Bezirk St. Veit) durch ausgeschwemmtes Erdreich und Schotter überschwemmt und dadurch zeitweise unpassierbar. In Laas im Gemeindegebiet von Feistritz/Drau (Villach-Land) stürzten nach den heftigen Niederschlägen und dem starken Sturm mehrere Bäume auf die Glanzer Straße (L39). Die Aufräumarbeiten dauerten bis in die Abendstunden, wie die Inspektion Feistritz/Drau angab. Insgesamt standen am Sonntagabend in ganz Kärnten 400 Feuerwehrleute im Unwettereinsatz.

Hagel in der Steiermark und dem Burgenland

In der Steiermark gab es in den Bezirken Voitsberg, Deutschlandsberg und Leibnitz sowie in Lieboch Hagelalarm und kleinere Überschwemmungen. Die Feuerwehren pumpten Keller aus und beseitigten umgestürzte Bäume von den Straßen. Hagelschloßen beschädigten Gärten und landwirtschaftliche Kulturen.

Auch über dem Nordburgenland gingen am Sonntag schwere Gewitter mit Starkregen und Hagel nieder. Ein Dutzend Feuerwehren rückten aus, hieß es am Montag aus der Landessicherheitszentrale. Einsatzkräfte waren vor allem in den Bezirken Eisenstadt-Umgebung und Mattersburg mit Pumparbeiten, dem Freimachen von Straßen und der Beseitigung umgestürzter Bäume beschäftigt.

Mehrere Bootsbesatzungen in Seenot

Am Neusiedler See gingen bei der Polizei am Sonntagabend mehrere Notrufe von Bootsbesatzungen ein, die in Seenot geraten waren. Bis 20.30 Uhr wurden acht Personen gerettet, teilte die Landespolizeidirektion am Montag mit.

Gegen 18 Uhr tobte über dem Neusiedler See eine massive Gewitterzelle. Für den See galt zu diesem Zeitpunkt Sturmwarnung, bestätigte die Landessicherheitszentrale. Nach Eintreffen der Notrufe machte sich ein Polizeiboot aus Rust auf die Suche. Zwischen Rust und Mörbisch sichtete die Besatzung drei Segelboote, die sich in Schwierigkeiten befanden. Ihre insgesamt sechs Besatzungsmitglieder wurden von den Beamten in Sicherheit gebracht.

Nachdem die Einsatzkräfte in der Dämmerung auch auf ein gekentertes Boot gestoßen waren, wurde ein Hubschrauber zur Unterstützung angefordert. Die Polizisten fanden im Schilf schließlich noch zwei Hilfesuchende. Bei ihnen handelte es sich jedoch nicht um die vermisste Besatzung. Diese war bereits von Angehörigen einer Segelschule an Land gebracht worden. (APA, red, 5.9.2016)

  • Im von Vermurungen betroffenen Afritz (Villach-Land) mussten Häuser im Ortsteil Kraa evakuiert werden. Alle folgenden Bilder aus Afritz.
    foto: apa/hermann sobe

    Im von Vermurungen betroffenen Afritz (Villach-Land) mussten Häuser im Ortsteil Kraa evakuiert werden. Alle folgenden Bilder aus Afritz.

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