Es heimatelt sehr

Einserkastl5. September 2016, 08:36
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Wie die Kandidaten für das Bundespräsidentenamt unsere Liebe zu Österreich konkret stillen möchten, haben sie noch nicht verraten

Seit vielen Monaten heimatelt es im ganzen Land ununterbrochen. Van der Bellen posiert vor heimatlichen Hainen und Rainen und möchte "die Heimat" nicht gespalten haben. Die Freiheitlichen stellen dagegen die pompöse Behauptung "Deine Heimat braucht Dich jetzt!" in den Raum, ohne weiter zu spezifizieren, wer mit diesem "Dich" gemeint sein könnte. Ganz die Handschrift des alten Konfusionskaisers Kickl!

Unter diesem Bombardement von Heimatliebe vergisst man gern, dass die Heimat ja fast immer unaussprechlich ist. Im kommunikativen Normalfall nimmt kein Mensch in Österreich das Wort "Heimat" in den Mund. Wenn einem im Stammbeisl der Satz "Wisset Leute, dieses Land ist meine Heimat!" entführe, man hielte ihn für einen pathetischen Esel.

Sollte ein Österreicher überhaupt je von der Heimat sprechen wollen, täte er dies in seinem aparten Heimatdialekt und spräche, je nach Herkunft, von der Haamad, Huamad oder Hoamat (in Gegenden, wo man zwei Eier "zwoa Oa" nennt). Den Aussprachevogel schießen natürlich wieder einmal die Vorarlberger ab, die die Hoamat in einem exquisit rührseligen Liadle zum Hoamatle verkleinern ("Oh Hoamatle, o Hoamatle, am himmelblaua Bodasee"!).

Aber egal, ob Huamad oder Homatle: Wie die Kandidaten unsere Heimatliebe nach der Wahl konkret stillen möchten, haben sie noch nicht verraten. Vielleicht zum Auftakt die Hofburg in Hoamatburg umtaufen? (Christoph Winder, 4.9.2016)

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