Xi Jinping rief G-20 zu mehr Kooperation auf

4. September 2016, 11:55
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Gruppe solle "Aktionsteam", nicht "Quasselbude" sein, sagt der Staatschef Chinas – und hebt ausnahmsweise Internetsperre für Journalisten auf

Hangzhou – Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die G-20-Staaten zu mehr Kooperation aufgerufen. Die Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) müsse nicht nur Krisenmanager sein, sondern sich zu einem langfristigen globalen Führungsinstrument entwickeln, sagte der gastgebende Präsident am Sonntag zu Beginn des Gipfels in der ostchinesischen Stadt Hangzhou.

"Wir sollten die G-20 zu einem Aktionsteam anstelle einer Quasselbude machen." Die Gruppe stehe großen Erwartungen gegenüber, die Weltwirtschaft anzukurbeln.

Xi plädierte in seiner Eröffnungsrede vor den Staats- und Regierungschefs für eine Liberalisierung der Wirtschaft, freien Handel, ungehinderte Investitionen und sprach sich gegen Protektionismus aus. "So lange wir zusammenhalten, können wir die schwere Last der globalen Wirtschaft tragen." Auch forderte der chinesische Präsident, die Entwicklungsländer stärker einzubeziehen.

Reden übers Wachstum ...

Die Staats- und Regierungschefs der großen Industrie- und Schwellenländer wollten sich in ihrer ersten Arbeitssitzung vor allem um die Frage kümmern, wie das globale Wirtschaftswachstum gefördert werden kann. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte erst vor wenigen Tagen vor einer Phase dauerhaft schwachen Wachstums gewarnt. Vor zwei Jahren hatten sich die G-20 bei ihrem Treffen in Australien noch ein Wachstumsplus von zwei Prozent gemessen an den IWF-Prognosen zum Ziel gesetzt. Die G-20-Länder stehen zusammen für fast 90 Prozent der Wirtschaftsleistung weltweit.

... aber nicht nur

Vor allem in bilateralen Gesprächen am Rande des Gipfels dürften aber auch die aktuellen Krisen eine große Rolle spielen, insbesondere der Ukraine-Konflikt und der Krieg in Syrien. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel möchte zudem über die weltweite Flüchtlingskrise sprechen. Sie traf vor Beginn des Gipfels bereits mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammen. Nach China übernimmt Deutschland am 1. Dezember die rotierende G-20-Präsidentschaft und richtet 2017 in Hamburg den nächsten Gipfel aus.

China hob für die Dauer des Gipfels ausnahmsweise seine strengen Internetsperren für Journalisten auf. Im Medienzentrum in der ostchinesischen Stadt Hangzhou funktionierten am Sonntag Internetseiten, die normalerweise in China gesperrt sind, darunter Facebook, Twitter, die Videoplattform Youtube und Google, aber auch viele westliche Nachrichtenseiten. Außerhalb des Pressezentrums galten jedoch die üblichen Beschränkungen.

Rot beflaggte Autos

Bemerkung am Rande: Die meisten Staats- und Regierungschefs sind in Hangzhou übrigens mit chinesischen Staatskarossen vorgefahren. Besonderes Erkennungszeichen ist die Darstellung einer roten Flagge auf der Kühlerhaube, die der Limousine auch ihren Namen gibt: "Rote Fahne", oder chinesisch "Hongqi".

Chinesische Staatsgäste werden schon seit Jahrzehnten in dem erstmals 1958 vom Band gelaufenen Luxusschlitten kutschiert. Staatschefs von Mao Zedong (Mao Tse-tung) bis Xi Jinping nahmen in den Wagen Militärparaden ab.

Beim Treffen der führenden Industrie und Schwellenländer (G-20) entschieden sich im Gegensatz zur deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht alle Gäste für das kommunistische Traditions-Auto: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zog etwa einen Mercedes vor. Barack Obama brachte, wie bei Auslandsreisen des US-Präsidenten üblich, seine eigene Limousine "The Beast" mit. (red, APA, 4.9.2016)

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