Schattenseiten der Globalisierung beschäftigen G-20

4. September 2016, 13:41
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Der "Kampf gegen Ungleichheit" war laut Deutschlands Kanzlerin ein wichtiges Thema

Hangzhou/London – Die G20 will dem schleppenden Wachstum der Weltwirtschaft durch Innovationen und Strukturreformen Impulse geben. "Wir müssen natürlich angesichts von moderatem Weltwirtschaftswachstum (...) schauen, wie wir gemeinsam handeln können", sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag nach einer ersten Arbeitssitzung der Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer im chinesischen Hangzhou. China als Präsidentschaftsland habe dabei sehr stark auf Aktionspläne gesetzt. Zudem habe China das Thema Strukturreformen zur Wachstumsförderung in den Vordergrund geschoben. Das sei "richtig und gut", sagte Merkel.

Auch über den Handel und immer wieder auftretende protektionistische Maßnahmen, die das Wachstum verlangsamten, habe man gesprochen. Daneben sei das Thema Innovationen und Bildung intensiv diskutiert worden. Da die Digitalisierung ein wichtiger Entwicklungs- und Wachstumstreiber sei, werde es im kommenden Jahr in Deutschland erstmals ein Treffen der Digitalminister geben, kündigte Merkel an. Zudem solle es eine Task Force der G20 für Innovationen geben.

Ungleichheit

Die 20 großen Industrie- und Schwellenländer haben sich auf ihrem Gipfel in China nach Angaben Merkels auch mit den Schattenseiten der Globalisierung befasst.

Es habe in den Beratungen am Sonntag "eine sehr große Rolle" gespielt, "dass die Globalisierung nicht nur eine positive Konnotation hat, sondern dass daraus zum Teil auch erhöhte Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Gruppen in den Bevölkerungen entstehen", sagte Merkel nach der ersten Arbeitssitzung in Hangzhou. Der "Kampf gegen die Ungleichheit" sei daher "ein wichtiges Thema, um ein nachhaltiges Wachstum auch mit sozialer Sicherheit zu verbinden", fügte die deutsche Regierungschefin hinzu.

Britische Regierungschefin: Brexit schadet

Das Brexit-Votum wird nach Einschätzung der britischen Regierungschefin Theresa May der britischen Wirtschaft zu schaffen machen. "Vor uns liegen schwere Zeiten", sagte May am Sonntag zu Journalisten auf ihrem Weg zum G20-Gipfel im chinesischen Hangzhou.

Die jüngsten Konjunkturdaten seien zwar nicht so schlecht wie von einigen Experten befürchtet ausgefallen. Daraus könne man aber nicht schließen, dass es keinen Gegenwind geben werde. Eine fiskalische Antwort auf das Brexit-Votum hänge von den Konjunkturdaten ab. Im Herbst wolle sich die Regierung zum Etat äußern, wenn sie einen besseren Überblick habe.

Die britische Regierung will in der kommenden Woche über ihre Fortschritte bei den Vorbereitungen des Austritts aus der Europäischen Union berichten. May sagte in einem am Sonntag veröffentlichten BBC-Interview, Brexit-Minister David Davis wolle vor dem Parlament über seine Vorstellungen sprechen, wie die künftige Beziehung Großbritanniens zur EU aussehen solle und welche Schritte nun geplant seien.

Austrittsantrag nicht heuer

Der offizielle Austrittsantrag aus der EU soll May zufolge nicht mehr in diesem Jahr gestellt werden. Zugleich betonte sie jedoch, dass die Regierung nicht auf eine Verzögerungstaktik setze. Es solle nicht der Eindruck entstehen, dass das Thema in Vergessenheit geraten solle, betonte sie.

Die britische Industrie hatte nach dem ersten Brexit-Schock dank des schwächeren Pfund zuletzt viel Boden gut gemacht. Auch die britische Bauwirtschaft erholte sich und die Stimmung bei den Unternehmen in Großbritannien verbesserte sich wieder leicht. Beim Referendum am 23. Juni hatten 52 Prozent der Briten für den EU-Ausstieg votiert. (APA, 4.9.2016)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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