Und am Ende gewinnen die Deutschen

3. September 2016, 22:56
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EM-Quali: Österreichs Basketballer kontrollieren lange Deutschland, verlieren am Ende aber knapp 59:61

Wien – Im Fußball konnte Österreich zu Deutschland in der jüngsten Vergangenheit nicht einmal hin riechen. Im Basketball sieht das schon anders aus. Trotzdem wurde einer schmerzlichen Erinnerung eine weitere hinzugefügt. Österreichs Nationalteam verlor das zweite EM-Qualifikationsspiel in Gruppe B gegen Deutschland mit 59:61 (39:29). Rückblick EM-Quali 2015: Österreich führte daheim 64:56, fünf Minuten vor Schluss. Statt einem Sieg wurde es eine Demütigung. Mit einem 21:0-Lauf drehten die Deutschen in Schwechat humorlos die Lichter ab. Gute Nacht. Nur Didi Mateschitz hat nach dem Salzburger Champions-League-Sterben zuletzt wohl schlechter geschlafen.

Diesmal schien der Sieg wieder zum Greifen nahe, sogar bis in die Schlusssekunden. 36 Minuten hatte Österreich nach einer starken Leistung seinen Gegner im Griff. 30 Sekunden vor Schluss: Deutschland geht mit 60:59 in Führung. 15 Sekunden: Flügelspieler Anton Maresch versemmelt den ersten Dreier. Foul, Freiwürfe Deutschland. 61:59. Fünf Sekunden: Maresch noch einmal mit der Chance, das Spiel per Dreier zu entscheiden. Daneben. Schlusssirene. Aus.

"Wir leben heutzutage in einem Zeitalter, wo jeder Basketball spielen kann", sagte Robin Benzing, deutscher Nationalteamspieler. Sein Trainer, Chris Fleming, blies in ein ähnlich warnendes Horn: "Diese EM-Quali wird Schwerstarbeit." Österreich gefiel in den Niederlanden mit konzentriertem Spiel über 40 Minuten. Dass man trotz inferiorer Leistung am Rebound (22 Oranje-Offensiv-Rebounds!) den so wichtigen Auftaktsieg einfahren konnte, ist auch eine neue Qualität der ÖBV-Auswahl.

Die Chance

Die Deutschen marschierten mit der zweiten Garnitur auf, die ist aber nur unwesentlich schlechter als die erste. Das Nationalteam genießt nach wie vor nicht die allerhöchste Wertigkeit, vor allem wenn keine großen Turniere anstehen. Allein auf der Spielmacher-Position fehlten mit NBA-Aushängeschild Dennis Schröder, Per Günther, Heiko Schaffartzik und Anton Gavel alle Top-Spieler. Weitere Absagen: Maik Zirbes, Maximilian Kleber, etc. Dirk Nowitzki ist im deutschen Teamdress längst pensioniert.

Es war angerichtet in Schwechat. Die Basketball-Euphorie schwappte mit fast zweitausend Zuschauern über bis in die Vorstadt, auch weil es in Wien noch immer keine moderne Ballsport-Arena gibt. Fades Thema.

Viel besser hat Österreich vielleicht noch nie Basketball gespielt als im ersten Viertel. Uneigennützig und immer mit einem Auge für den freien Mitspieler, konsequent und hart in der Defense, hochprozentig in der Wurfausbeute. 25:16 bedeutet das in Zahlen gegossen. Deutschlands Funkturm Tibor Pleiss (2,18 Meter) wurde abmontiert, Florian Trmal scorte gleich einmal acht ÖBV-Punkte. Im zweiten Viertel zogen die Deutschen in der Defense die Daumenschrauben merklich an, es änderte wenig. Weil die Handschrift des neuen Teamchefs, Kestutis Kemzura, so gut erkennbar ist. Jeder Angriff ein kontrolliertes Konzert, keine wilden Soli, smart!

Ein Kraftakt

Pausenstand 39:29, zwischenzeitlich waren es schon mal 14 Punkte Vorsprung. Die traumhafte Statistik: 65 Prozent Wurfquote, elf Assists, nur drei Ballverluste. Und das in einem derart temporeichen Spiel. Da gibt es nichts zu meckern.

Die Kräfte ließen aber leider nach, die Deutschen dominierten spätestens ab dem Schluss-Viertel mit ihrer unglaublichen Physis vor allem unter den Körben, holten Punkt um Punkt auf. Daniel Theis, Danilo Barthel, Johannes Voigtmann, Paul Zipser (im Kader der Chicago Bulls), alle weit über zwei Meter groß. Die Ballverluste häuften sich bei Österreich, die Wurfquote rasselte in den Keller. Nur drei von 18 Dreier fanden ihr Ziel. Unterirdisch. Dennoch: Es gibt schlimmeres, als gegen einen klaren Favoriten die Chance zu bekommen, das Spiel mit dem letzten Wurf zu entscheiden.

"Wir haben das Spiel 36 Minuten lang kontrolliert. Diese Niederlage ist bitter. Die Deutschen sind stark, hatten aber auch Glück am Ende", sagte Rasid Mahalbasic, mit 18 Punkten bester Werfer für das ÖBV-Team. (Florian Vetter, 3.9.2016)

Basketball-EM-Qualifikation, Gruppe B

Österreich – Deutschland 59:61 (39:29).
Beste ÖBV-Werfer: Mahalbasic (18), Trmal (11)

Dänemark – Niederlande 72:80 (29:40)

Tabelle:

1. Deutschland 2 2 0 +29 162:133 4
2. Österreich 2 1 1 +1 134:133 3
3. Niederlande 2 1 1 +15 162:147 3
4. Dänemark 2 0 2 -45 146:191 2

  • Österreich lieferte Deutschland in Schwechat einen heißen Fight.
    foto: apa

    Österreich lieferte Deutschland in Schwechat einen heißen Fight.

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