Erdogan schickt Panzer über die syrische Grenze

3. September 2016, 19:22
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Türkische Armee unterstützt syrische Rebellen beim Angriff auf den Ort al Rai

Damaskus/Ankara – Panzerfahrzeuge der türkischen Armee sind nordöstlich von Aleppo erneut auf syrisches Territorium vorgestoßen. Die türkischen Truppen hätten Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) dabei unterstützt, den Ort Al Rai (türkisch: Cobanbey) von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu erobern, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu.

Al Rai befindet sich unter Kontrolle der Rebellen, war lange Zeit aber in der Hand des IS. Das Gebiet liegt etwa 55 Kilometer südwestlich von Jarablus, wo in der vergangenen Woche die Türkei ihre erste größere Offensive in Syrien begonnen hatte.

Die Panzerfahrzeuge seien im Rahmen der vergangene Woche begonnenen Operation "Schutzschild Euphrat" von Elbeyli in der türkischen Provinz Kilis über die Grenze vorgedrungen. Ziel sei es, von al Rai in Richtung Osten vorzurücken und damit den IS in die Zange zu nehmen, sagte ein Kommandant der Rebellen.

Raketen schlagen in der Türkei ein

Anadolu meldete weiter, in der türkischen Grenzstadt Kilis seien am Samstag erneut drei Raketen eingeschlagen, die von IS-Gebiet in Syrien aus abgefeuert worden seien. Ein Zivilist sei leicht verletzt worden. Eine Rakete habe das staatliche Krankenhaus in Kilis getroffen, zwei weitere seien in einem Olivenhain eingeschlagen.

Die türkische Armee unterstützt in Nordsyrien den Kampf gegen den IS, geht aber auch gegen die Kurden-Milizen der YPG vor. Sie will vermeiden, dass die YPG ihre Gebiete südlich der Grenze zur Türkei zu einem zusammenhängenden Korridor zusammenführt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte kürzlich: "Wir werden einen Terror-Korridor im Norden Syriens und südlich von uns auf keinen Fall zulassen."

Türkei will Korridor

Die Regierung in Ankara will einen 90 Kilometer-Korridor schaffen, in dem weder der IS noch die Kurden das Sagen haben. Die Offensive der Türkei hat im Westen – allen voran in den USA – Besorgnis ausgelöst. Die Kurden-Miliz YPG ist ein Verbündeter der USA im Kampf gegen den IS. Die türkische Regierung befürchtet dagegen ein Erstarken der Kurden auch im eigenen Land.

Unterdessen ist die Zahl der Toten bei Gefechten zwischen kurdischen Kämpfern und der Armee im Südosten der Türkei gestiegen. Mindestens 15 Soldaten und zahlreiche PKK-Kämpfer kamen bei Zusammenstößen in den Provinzen Van und Hakkari ums Leben.

Die Agentur Anadolu berichtete unter Berufung auf abgehörten PKK-Funkverkehr, mehr als 100 PKK-Kämpfer seien bei den Gefechten "neutralisiert" worden. Eine Bestätigung der PKK dafür gab es nicht. Mit "neutralisiert" meinen die türkischen Behörden "kampfunfähig machen", was meist töten bedeutet, aber auch verletzen oder gefangennehmen heißen kann. (APA, dpa, 3.9.2016)

  • Türkische Panzerfahrzeuge in der Nähe von Karkamis
    foto: apa/afp/bulent kilic

    Türkische Panzerfahrzeuge in der Nähe von Karkamis

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