NSO Group: 650.000 Dollar, um zehn iPhone-User zu überwachen

3. September 2016, 12:15
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Interne Dokumente zeigen wie das Unternehmen operiert

Die Überwachung eines Smartphone-Users ist nur eine Frage des Preises. Das israelische Unternehmen NSO Group bietet etwa an, sämtliche Eingaben, Aufenthaltsorte und Gespräche von zehn iPhone-Usern für 650.000 Dollar zu liefern. Dazu sind weitere 500.000 Dollar für die Einrichtung nötig – danach ist allerdings eine weitreichende Überwachung möglich.

Spyware auf iPhone von Aktivisten gefunden

Die NSO Group ist nur eines von vielen Unternehmen, das derartige Dienste anbietet. Die Firmen meiden die Öffentlichkeit rigoros, bis vor kurzem waren auch die Tätigkeiten der NSO Group recht unbekannt, bis Sicherheitsforscher die Spyware auf einem iPhone eines Aktivisten für Menschenrechte fanden.

Aggressiv die eigenen Dienste beworben

Der New York Times liegen interne E-Mails, Dokumente und Angebote der NSO Group vor, die einen Überblick über die Aktivitäten des Unternehmens ermöglichen. Die israelische Firma soll mit Nachdruck bei Regierungen und Behörden geworben haben. Alles, um aus der Welt einen sicheren Ort zu machen – wie das Unternehmensmotto der NSO Group lautet.

Ethik-Komitee innerhalb der Firma

Innerhalb der Firma soll es ein eigenes Ethik-Komitee geben, die bei einer Anfrage untersuchen, ob man die Spyware zur Verfügung stellen wird. Bis dato wurde aber laut mehreren Quellen kein Gesuch abgelehnt. Zudem können Regierungen mit der Spyware tun, was sie wollen, kritisiert Bill Marczak vom Citizen Lab der Universität Toronto.

Aufträge wachsen aufgrund Verschlüsselung

Aufgrund der verstärkten Bemühungen, um mehr Verschlüsselung von Apple, Facebook und Google, würden gleichzeitig auch die Anfragen an die NSO Group wachsen. Die Entwickler des Unternehmens fanden zumindest beim iPhone trotzdem einen Weg, um an die Daten zu kommen. Hinter einer Textnachricht versteckte sich die Malware – Apple hat mittlerweile reagiert und mit iOS 9.3.5 die Sicherheitslücke gestopft.

15 Millionen Dollar von Mexikos Regierung

Konkrete Zahlen zu den Aufträgen und Finanzen gibt es keine, allerdings dürfte das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen sein. Mexikos Regierung soll etwa 15 Millionen Dollar für drei Projekte bezahlt haben, wie E-Mails aus dem Jahr 2013 zeigen. Auch in Europa sollen einige Kunden der Firma zu finden sein.

Sprecher: "Verkaufen nur an Regierungen"

Auf Nachfrage der New York Times gab ein Sprecher der NSO Group an, dass man die Spyware nur an Regierungen verkauft und diese die Malware einzig für die Verfolgung von Terroristen und Kriminellen nutzen würden. (red, 03.09.2016)

  • Für nur 650.000 Dollar bietet die NSO Group eine weitreichende Überwachung von zehn iPhone-Nutzern. Das Unternehmen ist nur eines von vielen, das Spyware an Regierungen verkauft.
    foto: reuters/dabidi

    Für nur 650.000 Dollar bietet die NSO Group eine weitreichende Überwachung von zehn iPhone-Nutzern. Das Unternehmen ist nur eines von vielen, das Spyware an Regierungen verkauft.

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