30.000 Kurden bei Demo gegen Erdogan in Köln

4. September 2016, 10:29
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Demonstranten verlangen Freilassung von PKK-Führer Öcalan – Merkel: "Konstruktive" Gespräche mit Erdogan vor G20-Gipfel

Köln – Knapp 30.000 Kurden haben am Samstag in Köln für die Freilassung des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und gegen die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan demonstriert. Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ist in der EU als Terrororganisation eingestuft und in Deutschland verboten.

Die Redner der Kundgebung vertraten aber den Standpunkt, nur unter Beteiligung der PKK und Öcalans könne eine Friedenslösung mit der Türkei gefunden werden.

Fahnen mit Öcalans Bildnis

Viele Demonstranten schwenkten Fahnen mit Öcalans Bildnis, auch auf der Bühne hing ein großes Bild von ihm. Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies sagte der Deutschen Presse-Agentur, Symbole der PKK dürften aber nicht gezeigt werden. Mehr als 1000 Polizisten waren im Einsatz. Vor fünf Wochen hatten an gleicher Stelle mehrere zehntausend Erdogan-Anhänger demonstriert.

Merkel: "Konstruktives" Gespräch mit Erdogan

Indessen sei Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem "konstruktiven" Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kurz vor Beginn des G20-Gipfels in China zusammengestroffen, sagt ein Regierungssprecher.

Themen waren demnach die deutsch-türkischen Beziehungen, die Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens zu Flüchtlingen sowie "die gemeinsame Sorge um den andauernden syrischen Bürgerkrieg". Es war das erste persönlichen Treffen von Merkel und Erdogan nach dem erfolglosen Putschversuch von Militärs in der Türkei im Juli. Zwischenzeitlich hatten sie telefoniert.

Die türkische Regierung hat es der EU verübelt, dass nach den dramatischen Ereignissen zunächst keine ranghohen Europäer ihre Solidarität mit der Regierung und ihr Mitgefühl für die Getöteten durch persönliche Besuche in dem Land ausgedrückt hatten. Die Europäer wiederum kritisierten Massenverhaftungen und Entlassungen tausender vermeintlicher Regierungsgegner.

Die Türkei hatte am Samstag zugesichert, trotz der Spannungen seit dem Putschversuch am Flüchtlingsabkommen mit der EU festzuhalten. Ankara und die EU hatten im März vereinbart, dass die Türkei alle Flüchtlinge zurücknimmt, die auf den griechischen Ägäis-Inseln eintreffen und deren Asylanträge abgelehnt wurden. Im Gegenzug sagte die EU zu, für jeden abgeschobenen Syrer auf legalem Weg einen anderen syrischen Flüchtling aus der Türkei aufzunehmen.

Die deutsche Bundeskanzlerin war Sonntag früh in Hangzhou südwestlich von Shanghai eingetroffen. Der G-20-Gipfel beginnt am Nachmittag und endet am Montag. In den Mittelpunkt der Gespräche will die chinesische Präsidentschaft besonders Fragen des Wirtschaftswachstums stellen. Vor allem in bilateralen Gesprächen am Rande des Gipfels dürften aber auch die aktuellen Krisen eine große Rolle spielen, insbesondere der Ukraine-Konflikt und der Krieg in Syrien. (APA, 4.9.2016)

  • Die Kundgebung am Rheinufer
    foto: reuters/wolfgang rattay

    Die Kundgebung am Rheinufer

  • Traf am Rande des G-20-Gipfels mit Erdogan zusammen: Merkel
    foto: reuters/bpa

    Traf am Rande des G-20-Gipfels mit Erdogan zusammen: Merkel

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