Der Schwur des Marko Arnautovic

2. September 2016, 17:51
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Marko Arnautovic glaubt, dass Österreichs Fußballteam in der WM-Qualifikation eine "Schippe" drauflegt. Der Anfang soll am Montag in Georgien gemacht werden. Die EM hat er weggesteckt. Von Frankreich ist ein theoretischer Tellerwurf geblieben

Wien – Da kann eine EM-Endrunde in Frankreich noch so in die Hosen gehen, Marko Arnautovic bleibt Marko Arnautovic bleibt Marko Arnautovic. Als er Freitagmittag humpelnd – sein rechtes Knie war bandagiert und mit Eiswürferln tiefgekühlt – vor die Reporterschar trat, antwortete er auf die Frage, ob irgendetwas nicht stimme und ob man sich Sorgen machen müsse: "Würde etwas nicht stimmen, wäre ich nicht da."

Der 27-Jährige hat die Gabe, Dinge auf den Punkt zu bringen. Die frustrierende EM hat er aufgearbeitet. "Jetzt muss ein dicker Punkt kommen. Das war's. In der WM-Quali wollen wir wieder etwas Neues schaffen." Nach Frankreich seien die Fußballfans nicht happy gewesen. "Gott sei Dank haben wir jetzt die Chance, den Leuten die Freude zurückzugeben. Wir sind bereit, konzentriert."

Wobei das mit dem dicken Punkt nicht ganz stimmt. Wirft man Arnautovic ein Hölzerl, hebt er es artig auf. Eine Boulevardzeitung, die man nicht kaufen muss, sondern bei jeder Straßenbahnhaltestelle aufs Auge gedrückt bekommt, hatte geschrieben, im Quartier der Österreicher habe es sich brutal abgespielt, Teller seien geflogen. Als Werfer wurde Arnautovic identifiziert – Ehre, wem Ehre gebührt. Als Opfer wurde ausgerechnet Kapitän Christian Fuchs ausgemacht.

Es ist natürlich völliger Schwachsinn, dass er deshalb seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat. Weil er gar keinen Teller zwischen den Zähnen stecken hatte. "Das man so etwas erwähnt, macht mich richtig aggressiv. Das ist eine Frechheit, ich will gar nicht mehr darüber reden. Da war nie etwas, das schwöre ich, so wahr ich hier sitze." Arnautovic ist in der Tat hier gesessen. "Außerdem würde ich eher gleich Tische werfen."

Fakt ist, dass die von Fuchs und Arnautovic gebildete linke Seite, jahrelang ein Prunkstück, halbiert wurde. "Er war ein überragender Spieler." Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Stürmer nun Markus Suttner hinter sich haben, das sollte überhaupt kein Problem sein. "Er wird die Aufgabe gut machen."

Arnautovic hat seinen Vertrag bei Stoke City bis 2021 verlängert, das sei eine Entscheidung des Herzens und des Verstandes gewesen. "Meine Familie und ich fühlen uns wohl, der Klub hat Perspektiven. Ein paar Leute haben vor meiner Haustür Zettel aufgehängt, wo 'Bitte bleib' draufgestanden ist. Überragend." Der Start in der Premier League ist durchaus als missglückt zu bezeichnen, Stoke ist mit nur einem Punkt aus drei Partien Letzter. "Man muss sich erst wieder finden." Die Auslosung war bei der Suche nicht behilflich, Middlesbrough, Manchester City und Everton waren kein Wunschkonzert. Nach dem Länderspiel kommt Tottenham. "Nicht einfacher, aber I like the challenge."

Aufgrund der Zeitverschiebung (plus zwei Stunden) fliegt das Nationalteam bereits am Samstagnachmittag nach Tiflis, am Montag wird dann gegen Georgien gekickt (18 Uhr). "Wir haben immer noch dieselben Qualitäten wie vor der EM. Jetzt probieren wir, eine Schippe draufzulegen. Die Stimmung ist wieder da, wir sind hochmotiviert." Die Georgier werden auch hochmotiviert sein, kämpfen, bis sie umgefallen sind. "Es wird sehr schwierig. Alle anderen Mannschaften sind top drauf." Arnautovic fügte, so wahr er hier saß, an: "Vor allem wir." (Christian Hackl, 2.9.2016)

WM-Qualifikation/Gruppe D/1. Runde:

Georgien – Österreich (Tiflis, Boris Paichadze Dinamo Arena, Montag, 18.00 Uhr MESZ/live ORF eins, SR Alexej Kulbakow/BLR)

Georgien: Revishvili (Mordowja Saransk/RUS/32 Länderspiele) – Lobzhanidze (Dinamo Tiflis/47/1 Tor), Kverkvelia (Rubin Kasan/15), Amisulashvili (Dinamo Tiflis/47/4), Navalovski (Veria/GRE/13) – Jighauri (Dinamo Tiflis/2), Kobakhidze (Worskla Poltawa/UKR/32/3), Okriashvili (vereinslos/29/7), Kashia (Vitesse Arnheim/45/1), Dvalishvili (Dinamo Tiflis/34/5) – Martsvaladze (Ordabasy/KAZ/21/2)

Ersatz: Loria (Krilja Sowetow/RUS/34), Kvaskhvadze (Torpedo Kutaisi/3), Makaridze (Moreirense/POR/5) – Kakabadze (Gimnastic/ESP/4), Dvali (Slask Wroclaw/POL/4), Khocholava (Tschornomorez Odessa/UKR/0), Kvekveskiri (Qabala/AZE/4), Daushvili (Diosgyör/HUN/27), Ananidze (Spartak Moskau/31/3), Kenia (Slavia Prag/CZE/29/4), Kazaishvili (Vitesse Arnheim/NED/15/3), Chanturia (Ural Jekaterinburg/RUS/11/2), Papunashvili (Dinamo Tiflis/3), Tsiskaridze (FK Teplice/CZE/2), Skhirtladze (Silkeborg/DEN/0)

Österreich: Almer (Austria Wien/31) – Klein (VfB Stuttgart/GER/40/0), Dragovic (Bayer Leverkusen/GER/49/1), Hinteregger (FC Augsburg/17/0), Suttner (FC Ingolstadt/GER/16/0) – Baumgartlinger (Bayer Leverkusen/GER/48/1), Alaba (Bayern München/GER/49/11) – Sabitzer (RB Leipzig/GER/21/3), Junuzovic (Werder Bremen/GER/49/7), Arnautovic (Stoke City/ENG/55/10) – Janko (FC Basel/SUI/56/26)

Ersatz: Lukse (SCR Altach/0), Özcan (Bayer Leverkusen/GER/7) – Prödl (Watford/ENG/59/4), Stangl (Red Bull Salzburg/0), Wimmer (Tottenham Hotspur/ENG/4/0), Harnik (Hannover 96/GER/60/14), Ilsanker (RB Leipzig/GER/18/0), Lazaro (Red Bull Salzburg/4/0), Schaub (Rapid Wien/0), Schöpf (Schalke 04/GER/7/2), Gregoritsch (Hamburger SV/GER/0), Hinterseer (FC Ingolstadt/GER/11/0)

Weitere Montag-Spiele: Serbien – Irland, Wales – Moldau (jeweils 20.45 Uhr MESZ)

Qualifikationsmodus: Der Gruppensieger ist bei der WM 2018 in Russland, der Zweite im Playoff, sofern er nicht schlechtester aller neun Gruppen-Zweiten ist.

  • Marko Arnautovic ist davon überzeugt, dass die österreichische Nationalmannschaft wieder aufsteht.
    foto: apa/jäger

    Marko Arnautovic ist davon überzeugt, dass die österreichische Nationalmannschaft wieder aufsteht.

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