Moto Z (Play) und Mods ausprobiert: Vielversprechend, aber teuer

5. September 2016, 17:13
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Mehrere Module machen die Android-Smartphones zur Kompaktkamera, Partylautsprecher und Videoprojektor

Im Juni hat Lenovo die Smartphone-Reihe Moto Z vorgestellt. Sie bildet die neue Highend-Klasse der einst von Motorola produzierten Marke und ersetzt damit auch das Moto X. Flotte Hardware, ein enorm dünnes Gehäuse, der Verzicht auf eine Kopfhörerklinke und vor allem die Erweiterbarkeit mit Modulen zeichneten das Gerät aus.

Das Moto Z kommt nun auch nach Deutschland und Österreich, verkündete der Konzern auf der IFA in Berlin. Im Gepäck hatte man neben vier "Mods" aber auch ein weiteres Handy. Das Moto Z Play verzichtet auf die höchste Leistungsklasse, dafür wurden allerdings der Akku aufgerüstet und der Preis gesenkt. Und auch die 3,5mm-Audioklinke ist zurück. Der WebStandard hat sich in Berlin die Smartphones und Module angesehen.

Mittelklasse-Zwilling

Zu den Eckdaten: Anstelle des Qualcomm Snapdragon 820 im Moto Z bringt das Moto Z Play den Snapdragon 625 mit. Der auf 2,0 GHz getaktete Octacore-Prozessor, dem drei GB RAM zur Verfügung stehen, sollte für alle üblichen Alltagsszenarien gut ausreichen und auch die meisten Spiele Probleme stemmen. Zwar liegt er in der Games-Performance klar hinter dem Flaggschiff-Chip, verbraucht aber auch weniger Energie.

Weil man außerdem mit 1.920 x 1.080 statt 2.560 x 1.440 Pixel operiert und der Akku von 2.600 auf 3.510 mAh aufgestockt wurde, sollte das Z Play mit langen Laufzeiten aufwarten können. Bei durchschnittlicher Verwendung sollen gut und gerne drei Tage Verwendung oder mehr möglich sein, ehe man das Handy wieder ans Ladegerät stecken muss, erklärt dazu ein Firmenvertreter. Aufgrund der größeren Batterie ist es etwas dicker, als die Flagship-Variante (156,4 x 76,4 x 7 mm zu 153,3 x 75,3 x 5,2 mm).

Bei der Kamera wurde die Megapixel-Schraube nach oben gedreht. 16 statt 13 MP liefert der Sensor des Z Play, dazu gibt es Phase Detection-Autofokus und einen Dual-LED-Blitz. Das Objektiv ist allerdings etwas lichtschwächer und die optische Bildstabilisierung fällt weg.

Magnetische Befestigung

Während das Moto Z Play gut in der Hand liegt, erweist sich die extreme Schlankheit des Moto Z ergonomisch als etwas hinderlich. Lösen lässt sich dies mit einem rückseitigen Cover, von denen es mehrere Material-Varianten gibt. Wie die Mods passen diese auf beide Geräte.

Die Erweiterungen selber haften magnetisch am Handy, die Kommunikation läuft über eine Reihe von flachen Pins. Obwohl es keinen mechanischen Fixierungsmechanismus gibt, sitzen die Mods fest. Im Vergleich zum Fairphone 2 oder LG G5 hat das Moto Z (Play) hier das am simpelsten zu handhabende System aufzubieten.

Incipio Power Pack

Für die ersten vier Erweiterungen hat sich Lenovo mit Markenherstellern zusammen getan. Incipio steuert etwa ein "Power Pack" bei. Wie der Name schon verrät, handelt es sich hier um eine externe Akkulösung. Für einen Zuwachs von 6,2 Millimeter Dicke erhält man ein Energiereservoir von 2.220 mAh, was je nach Gerät die Verwendungsdauer theoretisch um ein bis zwei Tage erhöht.

Wird das Akkupack an das Handy angelegt, erscheint mit kurzer Verzögerung eine zweite Ladestandsanzeige, die dessen Status wiedergibt. Hängt man das Handy ans Ladegerät, wird auch die Batterieerweiterung mitaufgeladen, was auch für die Akkus der anderen Mods gilt. Mit dem Power Pack sind die Smartphones merkbar dicker und auch schwerer, die Auswirkungen halten sich in ergonomischer Hinsicht allerdings in Grenzen.

JBL Soundboost

Anders beim JBL Soundboost. Auch hier ist der Name Programm: Wer über das Handy Musik hören möchte, sich aber bessere Soundqualität als jene der integrierten Lautsprecher wünscht, kann dieses Stereolautsprecher-System anbringen, dessen Ausgabeleistung pro Seite auf drei Watt beziffert wird.

In der Tat erschallt Musik darüber deutlich klarer und lauter. Insbesondere in puncto Bass erwies sich dieser Moto Mod den Smartphone-Lautsprechern als klar überlegen. Mittels eines ausklappbaren Standfußes lässt sich das Telefon seitlich aufstellen und damit weiter bedienen. Weil der Soundboost 1,3 Zentimeter dick ist, kommt er als permanente Lösung eher nicht infrage.

Die Laufzeit des Handyakkus beeinträchtigen die Lautsprecher nicht. Sie verfügen über eine eigene Batterie mit einer Kapazität von 1.000 mAh, die für bis zu zehn Stunden Verwendung reichen soll.

Moto Instashare

Von Motorola selbst kommt ein Projektormodul namens "Instashare" – übrigens auch mit eigenem Akku (1.100 mAh, eine Stunde Laufzeit), dessen Verwendung sich mit einer Smartphone-Halterung empfiehlt. Er wirft den Bildschirminhalt in 854 x 480 Pixlen mittels LED auf eine beliebige Oberfläche.

Seine recht niedrige Helligkeit von 50 Lumen bei einem Kontrastwert von 400:1 setzt allerdings eine gute Abdunklung des Raumes voraus. Theoretisch soll das Gerät auf eine Fläche von bis zu 70 Zoll projizieren können. Ob man dies ausreizen sollte, darf allerdings angezweifelt werden. Für eine Präsentation oder Filmvorführung in kleinem Rahmen müsste der Projektor aber allemal ausreichen. Die Audiowiedergabe läuft entweder über den Lautsprecher des Handys oder mit dem Handy per Audioklinke, USB oder Bluetooth gekoppelte Lösungen.

Hasselblad Truezoom

Der vermutlich spannendste Mod ist wohl Truezoom, der von Hasselblad kommt. Der Aufsatz verwandelt das Smartphone faktisch in eine Kompaktkamera. Er erweitert es um einen eigenständigen Kamerasensor (12 MP) sowie ein 10x-Zoom-Objektiv mit optischer Bildstabilisierung. Ebenso gesellen sich zwei Mikrofone für die Audioaufzeichnung bei Videos und ein Xenon-Blitz hinzu. Ergänzt werden auch die üblichen Regler und Tasten einer kleinen Kamera. Wie die anderen Mods kann auch dieser bei laufendem Betrieb an- und abgesteckt werden.

Schon manche Hersteller haben sich an der Vereinigung von Kompaktkamera und Smartphone versucht, etwa Samsung mit der Galaxy Camera oder mit der Lumix CM1 im vergangenen Jahr. Wirklich bewähren konnte sich keine der Komplettlösungen, der Moto-Ansatz wirkt allerdings vielversprechend. Denn die Handhabe funktioniert einfach und man ist nicht gezwungen, dauerhaft mit einem sehr klobigen Gerät zu hantieren. Ist etwa der Familienausflug vorbei, lässt sich der Mod flott abnehmen und das Handy wieder ohne Probleme in die Hosentasche stecken.

Weitere Mods in Arbeit

Bei diesen vier Erweiterungen soll es allerdings nicht bleiben. Grundsätzlich sei die Technik hinter dem Mod-System offen für alle Hersteller, die Mods bauen möchten. Sowohl aus dem Endkunden, als auch aus dem B2B-Bereich soll es bereits einige Interessenten und Ideen geben.

Damit sollen künftig auch andere Preisspannen abgedeckt werden können, denn das aktuelle Sortiment schlägt durchaus aufs Budget. Während das Moto Z 699 Euro und das Moto Z Play 499 Euro kosten, kommt etwa auch der Kamerazusatz auf 299 Euro. Auch die anderen Erweiterungen werden wohl einen dreistelligen Preispunkt erreichen.

Das Moto Z Play wird bereits im September erscheinen. Die Mods sollen schließlich im Oktober an den Start gehen, wobei sich die Kameraerweiterung eventuell um ein bis zwei Wochen verzögern könnte. (Georg Pichler aus Berlin, 06.09.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Reise und Unterkunft in Berlin wurden von Sony übernommen.

Links

Lenovo

Incipio

JBL

Hasselblad

  • Das Moto Z (links) und das Moto Z Play.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Moto Z (links) und das Moto Z Play.

  • Das Incipio Power Pack liefert einen zusätzlichen 2.220-mAh-Akku.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Incipio Power Pack liefert einen zusätzlichen 2.220-mAh-Akku.

  • Hasselblad Truezoom mit ausgefahrenem Objektiv.
    foto: derstandard.at/pichler

    Hasselblad Truezoom mit ausgefahrenem Objektiv.

  • Der 10x-Zoom in Aktion.
    foto: derstandard.at/pichler

    Der 10x-Zoom in Aktion.

  • Moto Instashare.
    foto: derstandard.at/pichler

    Moto Instashare.

  • JBL Soundboost.
    foto: derstandard.at/pichler

    JBL Soundboost.

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