Türkei baut Mauer an Grenze zu Syrien – Demonstrant getötet

2. September 2016, 18:25
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Armee geht mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Proteste vor

Kobane – Bei der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten gegen eine Grenzmauer zwischen der Türkei und der kurdischen Stadt Kobane in Syrien ist ein Jugendlicher getötet worden. Außerdem verletzte die türkische Armee durch ihr Vorgehen mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten mindestens 30 Menschen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mitteilte.

Südwestlich der Hauptstadt Damaskus konnten unterdessen 300 Zivilisten die seit Jahren vom Regime belagerte Rebellenhochburg Muadamiya verlassen. Die Kurden sprachen von 80 Verwundeten in Kobane. Einem Sprecher zufolge hatten einige Demonstranten Atemprobleme. Die Situation sei noch immer angespannt, aber unter Kontrolle. Die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete von etwa 1000 Demonstranten, die Steine auf Polizisten geworfen hätten. Nach mehrfacher Warnung sei Tränengas eingesetzt worden.

Die Kurden in Kobane beschuldigen die Türkei, etwa 25 Meter in ihr Gebiet eingedrungen zu sein, um dort eine Mauer zwischen der Türkei und der Grenzstadt Kobane zu bauen. Vergangene Woche hatte die Selbstverwaltung der Stadt in einer Stellungnahme von einer "türkischen Besetzung" gesprochen und das Nachbarland aufgefordert, alle Kurdengebiete in Nordsyrien zu verlassen.

Zuletzt war es westlich von Kobane zu heftigen Kämpfen zwischen türkischen Einheiten und kurdischen Milizionären gekommen. Seit einigen Tagen herrscht zwischen beiden Seiten faktisch eine Waffenruhe. Kobane gilt als Ort des ersten wichtigen Sieges der Kurden über die Jihadistengruppe Islamischer Staat (IS). Ende Jänner 2015 hatten sie die Stadt nach monatelangen Kämpfen mit den Jihadisten mit Hilfe von Luftangriffen einer von den USA geleiteten Allianz befreit.

Die rund 300 Zivilisten in Muadamiya wurden am Freitag mit Bussen in Unterkünfte gebracht. Zuvor war eine entsprechende Vereinbarung zwischen Regierung und Aufständischen erzielt worden. Es handelt sich den Menschenrechtsbeobachtern zufolge vor allem um Flüchtlinge, die aus der vor einer Woche evakuierten Nachbarstadt Daraya geflohen waren. Die meisten von ihnen seien Kinder.

Daraya, das nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt Damaskus liegt, war seit 2012 von der Armee und deren Verbündeten belagert worden. Ende vergangener Woche wurde die Stadt mit mehreren Tausend Bewohnern und Rebellen evakuiert. Für die Armee ist der Ort wichtig, weil er direkt an einem Militärflughafen liegt. Kritiker sagen, das Regime habe diesen Erfolg nur durch Aushungern der Bevölkerung erreicht. (red, APA, dpa, 2.9.2016)

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