Julya Rabinowich: Das große Wundern

2. September 2016, 17:00
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Die strahlende Zukunft vollkommener Offenheit ist nahe!

Man kann wirklich nicht behaupten, Kandidat Norbert Hofer hätte untertrieben, als er dem Volk unbegrenzte Verwunderungsmöglichkeiten versprach. Man hätte es nicht für möglich gehalten, dass ein Präsidentschaftskandidat – schon einmal gewählt und wieder aus dem Amt gekippt – sich davor und danach mit den ungustiösesten Anwürfen herumschlagen müsste: von angeblichen, aber umso fleißiger in sozialen Medien geteilten Gerüchten über Erkrankungen aller Art bis hin zu Morddrohungen.

Der Kandidat und alle wirklich an Krebs Erkrankten dürfen sich nun über die Schmutzkübelkampagne, die noch die unterste Schublade sprengt, freuen. Alexander Van der Bellen wusste sich nicht anders zu helfen, als seine Untersuchungen bei dem renommierten Arzt Zielinski zu veröffentlichen, um zu beweisen, definitiv nicht an Krebs erkrankt zu sein. Dieser Kandidat ist mittlerweile nicht nur gläsern, er ist gläsern samt Drecksschlammbewurf. Ein unerwarteter Striptease bis zur vollkommenen Entblößung, unter die Haut, hinein in die Knochen und das Lungengewebe.

Der Ansatz ist gut ausbaufähig. Was der Menschheit jetzt noch neben dem ersehnten Weltfrieden dringendst fehlt, ist ein Ganzkörper-MRT von Hofer. Oder wenigstens ein kleiner Urintest. Transparenz ist das moderne Zauberwort, und diese Transparenz sollte bei näherer Betrachtung eigentlich überhaupt gleich für alle gegeben sein: verpflichtende Kotproben bei jeder Kandidatur auf ein vielversprechendes Amt. Die Shitstormeignung sollte man lieber gleich vor Ort überprüfen.

Ein kleiner DNA-Abstrich vor dem Arbeitsantritt im Supermarkt. Einem geschenkten Gaul mag man vielleicht nicht ins Maul schauen, aber einem angestellten? Ehrlich wahr, wir haben doch alle nichts zu verbergen. Die strahlende Zukunft vollkommener Offenheit ist nahe! Eine kleine Haarlocke von Heinz-Christian Strache könnte den Wahrheitsreigen ja eröffnen. (Julya Rabinowich, 3.9.2016)

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