Städtebauliche Verträge bremsen Türme

2. September 2016, 15:30
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Verhandlungen auf dem Erdberger Mais stocken – "Marina Tower" kommt

Wohntürme sind bei Investoren ohnehin sehr beliebt, aber auch unter der Wiener Bevölkerung nimmt ihre Popularität zu. Zahlreiche Projekte sind in der österreichischen Bundeshauptstadt in Bau oder in Planung.

Dass die Stadt aber seit kurzer Zeit mit den Widmungen restriktiver umgeht und wie etwa bei den beiden Großprojekten Danube Flats und Triiiple sogenannte "städtebauliche Verträge" mit den Bauherren einging, sorgt unter Immobilienentwicklern für Stirnrunzeln. Danube-Flats-Mitentwickler Wolfdieter Jarisch von der S+B Gruppe sagte kürzlich im STANDARD, solche Verträge zumindest in der bisherigen Form nicht mehr unterzeichnen zu wollen.

MGC Plaza: Verhandlungen stocken

Auch bei einem anderen Großbauvorhaben sorgen die "städtebaulichen Verträge", die die Stadt verlangt, zumindest schon einmal für eine ordentliche Verzögerung. Konkret geht es um das Projekt MGC Plaza auf dem Erdberger Mais in Wien-Landstraße. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) und Entwickler Ariel Muzicant hatten schon 2014 im Rahmen einer Pressekonferenz die Gewinnerprojekte eines Architekturwettbewerbs vorgestellt. Ein derzeit als Parkplatz genutztes Areal in der Modecenterstraße soll mit drei Wohnhochhäusern mit insgesamt über tausend Wohneinheiten bebaut werden.

Für die Türme wären auch bereits Investoren vorhanden, erfuhr der STANDARD. Einzig die Flächenwidmung wurde noch nicht abge- bzw. beschlossen – weil sich dem Vernehmen nach die Verhandlungen über die städtebaulichen Verträge ordentlich "ziehen". Vonseiten des Wiener Planungsressorts von Maria Vassilakou (Grüne) heißt es dazu vage, es würden weiterhin Gespräche geführt.

Auch der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr, politisches Mastermind hinter der neuentdeckten Lust der Stadt Wien auf städtebauliche Verträge mit Projektentwicklern, sagt, dass es länger als erwartet dauere, dass aber eine Einigung noch heuer möglich sei. Er wolle Herrn Muzicant aber "nichts über die Zeitung ausrichten". Laut Vassilakous Büro sind derzeit übrigens "ein halbes Dutzend" städtebauliche Verträge mit Developern in Verhandlung.

Marina Tower: Baustart demnächst

Tatsächlich gebaut wird sehr bald am 130 Meter hohen Marina Tower am Handelskai – endlich, wie man sagen muss. Der offizielle Spatenstich war kurz vor der letzten Wien-Wahl im Oktober 2015 erfolgt, seither passierte auf dem Baufeld nichts. Wie es vonseiten des Entwicklers IES heißt, sollte es nun aber im Herbst so weit sein. Städtebauliche Verträge mit der Stadt mussten die Bauherren nicht eingehen, die Wohnwidmung ist schon länger vorhanden. Ursprünglich war an dem Standort ein Büroturm geplant.

Nun werden rund 100 Miet- und 360 Eigentumswohnungen samt Fitness- und Wellnessbereich, Kindergarten sowie diversen Gastronomie- und Retailflächen errichtet werden, alles in allem mit einer Gesamtnutzfläche von 48.000 Quadratmetern. Wohnungsgrößen zwischen 35 und 305 Quadratmetern werden genannt; "bis zum physischen Baustart wird aber noch der Wohnungsmix nach Zielgruppen fein abgestimmt", ließ IES zuletzt gegenüber dem STANDARD verlauten. (Martin Putschögl, 2.9.2016)

  • Bald soll am Marina Tower am Handelskai gebaut werden.
    visualisierung: isochrom.com

    Bald soll am Marina Tower am Handelskai gebaut werden.

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