Vollbesteuertes Erbe eines Kunsthändlers

2. September 2016, 15:11
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Nach Reinhold Hofstätters Tod übernahm sein Adoptivsohn 2014 die Geschäfte. Seither versilbert Anton Hofstätter sukzessive sein Erbe. Nun gelangt im Dorotheum das Inventar aus Schloss Schwallenbach zur Auktion

Reinhold Hofstätters kaufmännisches Geschick war ebenso legendär wie seine flink vom Brummigen ins Ruppige changierende Art. Wer den Kunsthändler in seinem mit Erlesenem aller Art ausgestatteten Palais oberhalb der Strudlhofstiege besuchte, wurde bisweilen mit lautem Geplärre begrüßt: von Agricola, dem überaus eifersüchtigen Papagei, der sich erst beruhigen mochte, wenn er an Hofstätters Brust kuscheln durfte. Der Gast blieb freilich unter Beobachtung, denn der Papagei linste weiterhin misstrauisch unterm Revers des Hausmantels hervor.

Viele aus der heimischen Branche haben Anekdoten über ihren ehemaligen Kollegen auf Lager, der den Aufbau des hiesigen Handelsplatzes nach dem Zweiten Weltkrieg mitprägte. In den letzten Jahren seines Lebens blühten die Geschäfte eher im Verborgenen. Offiziell führten seine Ex-Frau Ingeborg, die trotz Scheidung die engste Geschäftspartnerin geblieben war, sowie deren Sohn, den er vor zehn Jahren adoptierte, den Betrieb. Im September 2013 verstarb Reinhold Hofstätter 86-jährig, und der Filius trat sein Erbe an.

Schleppende Geschäfte

Am Warenbestand orientiert, der um die 5000 Objekte und Werke umfasst haben soll, konnte Anton quasi aus dem Vollen schöpfen. Am Standort Dorotheergasse 14, wo sein Vater 1953 das erste Geschäft eröffnete, startete im Herbst 2014 ein Ausstellungsprogramm mit zeitgenössischen Positionen, die auf historische Pretiosen aus der Sammlung Hofstätter Bezug nahmen.

Finanziert wurde dieses Abenteuer auch über eine Auktion bei Lempertz (Köln). Im Mai 2014 gelangten dort 51 Objekte zur Versteigerung, wovon allerdings 35 unverkauft blieben. Statt der erhofften drei bis vier Millionen Euro, summierten sich die 16 Besitzerwechsel auf 2,25 Millionen. Den höchsten Zuschlag erteilte man für Gerrit van Honthorsts Der Standhafte Philosoph bei 854.000 Euro zur unteren Taxe. 244.000 Euro spielte wiederum ein gotisches Relief mit der Darstellung einer Trauergruppe ein. Erstaunlich, denn es stammte aus der Sammlung Hermann Görings, die 1960 in das Eigentum des Freistaates Bayern und im Mai 1961 in den Bestand des Bayerischen Nationalmuseums überging. Von dort gelangte das Relief im April 1975 über den Tauschweg an Hofstätter. Die Provenienz vor 1945 ist bis heute nicht geklärt, via Lempertz fand es in einer belgischen Privatsammlung eine neue Heimat.

Indes blickt Anton Hofstätter auf zwei Messebeteiligungen zurück. Die Geschäfte liefen schleppend. Nach nur einem Jahr waren die "Hofstätter Projekte" wieder Geschichte, und dort residiert jetzt "Hofstätter Interiors". Ende Juni gab man den seit 1970 bespielten Standort Bräunerstraße auf. Zur gleichen Zeit verstarb Ingeborg Hofstätter, die an der Seite ihres Ex-Mannes die letzte Ruhe fand. Die Geschäftsführung der Hofstätter Kunsthandel GmbH übergab Sohn Anton als alleiniger Gesellschafter im Oktober 2015 an Julius Raabe, der hauptberuflich als Wirtschaftsprüfer tätig ist.

Im Dorotheum gelangt am 12. September das Inventar des Hofstätter'schen Landsitzes Schloss Schwallenbach zur Versteigerung. Die Rosinen der über Jahrzehnte zusammengetragenen Sammlung haben teils über den deutschen und englischen Handel längst das Land verlassen. Der Rest, 409 Positionen, soll nun zumindest 1,5 Millionen Euro (exkl. Aufgeld) bringen. Ein ambitioniertes Unterfangen, da die Ware nicht der üblichen Differenz-, sondern der Vollbesteuerung unterliegt. Auf Meistbote bis 100.000 Euro werden inkl. Aufgeld des Auktionshauses bei Antiquitäten satte 40,84 und bei Gemälden 33,84 Prozent aufgeschlagen. Ob das die Kauflust dezimiert, wird die Verkaufsquote zeigen. (Olga Kronsteiner, 2.9.2016)

  • Das von Reinhold Hofstätter liebevoll zusammengetragene Interieur des Schlosses in der Wachau wird nun versteigert.
    foto: hofstätter kunsthandel gmbh

    Das von Reinhold Hofstätter liebevoll zusammengetragene Interieur des Schlosses in der Wachau wird nun versteigert.

  • Der Käfig, in dem einst Papagei Agricola schlief.
    foto: dorotheum

    Der Käfig, in dem einst Papagei Agricola schlief.

  • Dieses Stillleben, in dem ein Artgenosse Agricolas turnt, erwarb Reinhold Hofstätter 1992 bei Christie’s – umgerechnet 13.537 Euro (exkl. Aufgeld) bewilligte er für das damals als Gemälde Tobias Stranover ausgewiesene Werk. Ein Verkaufsversuch bei Fischer-Auktionen (CH, Luzern) im November 2010 scheiterte an der Taxe von 34.600 bis 39.100 Euro. Als Werk des von Pieter Hardimésoll es nun zwischen 20.000 und 25.000 Euro bringen.
    foto: dorotheum

    Dieses Stillleben, in dem ein Artgenosse Agricolas turnt, erwarb Reinhold Hofstätter 1992 bei Christie’s – umgerechnet 13.537 Euro (exkl. Aufgeld) bewilligte er für das damals als Gemälde Tobias Stranover ausgewiesene Werk. Ein Verkaufsversuch bei Fischer-Auktionen (CH, Luzern) im November 2010 scheiterte an der Taxe von 34.600 bis 39.100 Euro. Als Werk des von Pieter Hardimésoll es nun zwischen 20.000 und 25.000 Euro bringen.

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