Nicht Dauerschlaf, sondern Fressen hält den Siebenschläfer jung

2. September 2016, 14:04
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Mit neun Jahren Lebenserwartung sind sie für die Verhältnisse kleiner Nagetiere Methusalems – Wiener Wissenschafter forschten nach den Gründen

Wien – Siebenschläfer (Glis glis) werden ihrem Namen mehr als nur gerecht: Die in ganz Mittel- und Südosteuropa vorkommenden Nagetiere aus der Familie der Bilche halten im Schnitt acht Monate Winterschlaf. Diese lange Ruhezeit galt bisher als das Geheimnis der vergleichsweise hohen Lebenserwartung der kleinen Nager. Dem ist aber gar nicht so, berichten Wiener Forscher im "Journal of Experimental Biology". Vielmehr sorgen üppige Mahlzeiten im Sommer für ein langes Leben – und vielleicht sogar für Lebensverlängerung.

Die bisherige Erklärung

Steht nur wenig Nahrung zur Verfügung, halten Siebenschläfer sogar bis zu elf Monate Winterschlaf. Die Tiere befinden sich dabei in einem Torpor genannten Zustand, in dem sie Körpertemperatur und Stoffwechselrate kontrolliert absenken. Auch die Teilung der Körperzellen verringert sich auf ein Minimum. Dieser Zustand wird aber durch regelmäßige Aufwachphasen unterbrochen.

Frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Winterschlaf den Alterungsprozess der Tiere verlangsamt. Hinweise dafür lieferte die Länge der sogenannten Telomere. Das sind DNA-Stücke an den Enden der Chromosomen, die bei jeder Zellteilung kürzer werden und deshalb als Marker für den Alterungsprozess gelten. Mit den langen "Schlafphasen" und der damit verbundenen verringerten Zellteilung erklärte man sich die – verglichen mit ähnlich großen Säugetieren wie Mäusen, Ratten oder Eichhörnchen – hohe Lebenserwartung der Siebenschläfer von bis zu neun Jahren.

Neue Erkenntnisse

Franz Hölzl vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigte nun jedoch, dass die kurzen Wachphasen während des Winterschlafs sogar zu einer starken Verkürzung der Telomere führen. Je öfter die Tiere ihren Winterschlaf unterbrachen, desto kürzer waren die Telomere danach.

Weiterführende Untersuchungen zeigten, dass die "Verjüngungskur" in der Aktivitätsphase der Siebenschläfer passiert – so es ausreichend Futter gibt. Die Wissenschafter führten ihre Studie bewusst in einem Jahr durch, in dem es nur wenig Bucheckern gab, das bevorzugte Futter der Nager. Eine Gruppe der untersuchten Siebenschläfer musste mit diesem verringerten Futterangebot zurecht kommen, die andere Gruppe bekam zusätzlich Sonnenblumenkerne.

Es braucht Nahrung

Aus Speichelproben gewannen die Forscher das Erbgut und analysierten die Länge der Telomere. Es zeigte sich, dass diese direkt vom Nahrungsangebot abhing. Nur bei den Tieren mit zusätzlichem Futterangebot konnte die gleiche Länge der Endkappen wie vor Beginn des Experiments oder sogar eine Verlängerung gemessen werden. Die Tiere, die mit dem geringen natürlichen Nahrungsangebot auskommen mussten, konnten dagegen die Verkürzung der Telomere kaum ausgleichen und daher den Alterungsprozess ihrer Zellen nicht verlangsamen.

Die Fähigkeit der Siebenschläfer, ihre Telomere zu verlängern und damit ihr Zellen physiologisch jung zu halten, ohne Krebs zu bekommen, bezeichnen die Wissenschafter als "sehr ungewöhnlich". Üblicherweise passiere dies nur in den Keim- und in Tumorzellen. (APA, red, 2. 9. 2016)

  • Einfach nur süß ...
    foto: vetmeduni wien

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