Andy Murray: Geschlossenes Dach lenkt ab

Ansichtssache2. September 2016, 12:18
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New York – Am vierten Tag der US Open stand das neue Dach des Arthur Ashe Stadiums im Mittelpunkt. Weil es stark regnete, musste Andy Murray gegen Marcel Granollers ein Indoormatch spielen. Nach exakt sieben Minuten und 22 Sekunden Unterbrechung prangte das ausfahrbare Dach geschlossen über dem größten Tennis-Centre-Court der Welt. "Wir können alle glücklich sein, das Dach zu haben. Sonst hätten wir heute überhaupt kein Tennis spielen können", sagte Murray nach seinem 6:4,6:1,6:4-Sieg gegen den Spanier. Dennoch übte der als Nummer zwei gesetzte Schotte Kritik an der Überdachung.

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Murray beklagte den Lärm, der unter dem Dach entstanden ist. "Zu Beginn wussten wir nicht, ob einfach mehr Leute nach dem Wechsel hereingekommen waren. Aber dann haben wir schnell gemerkt, dass es der Regen war", sagte der 29-Jährige nach dem Match. Zeitweise konnten die Spieler nicht einmal die Schlaggeräusche hören.

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Für Tennisspieler seien nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren wichtig. "Es sind nicht nur die Augen. Man kann den Speed und den Spin auf den Bällen hören. Würde ein Spieler mit Kopfhörer spielen, wäre es ein großer Vorteil für denjenigen, der keine trägt", erklärte der zweifache Olympiasieger.

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Probleme mit dem geschlossenen Dach hatten auch die Zuschauer. Denn die sind es gewohnt, die Schläge zu hören. Und die Fans, die gerade auf den Rängen in New York besonders enthusiastisch sind, tragen durch den Hall selbst zur lauten Kulisse bei. Das wesentlich kleinere Dach über dem Wimbledon-Center-Court ist bei Regen vergleichsweise leise.

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Die 150 Millionen Dollar teure Konstruktion über dem gigantischen Arthur Ashe Stadium, das 23.771 Zuschauer fasst, war knapp vier Wochen vor Turnierbeginn offiziell eingeweiht worden. Bis 2018 soll auch der Louis Armstrong Court ein Dach bekommen. Bei den Australian Open in Melbourne können mittlerweile drei Plätze überdacht werden, in Wimbledon der Centre Court. Als einziges der vier Grand-Slam-Turniere haben die French Open in Paris noch keinen Court mit ausfahrbarem Dach.

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Murray kannte seinen Drittrunden-Gegner erst kurz vor Mitternacht (Ortszeit). Kitzbühel-Sieger Paolo Lorenzi jubelte nach satten 4:54 Stunden über den als Nummer 30 gesetzten Franzosen Gilles Simon. Der 34-jährige Italiener hatte sich mit 3:6,6:2,6:2,6:7(1),7:6(3) durchgesetzt.

Weitergekommen ist auch der mögliche Viertelfinal-Gegner von Dominic Thiem, der als Nummer drei gesetzte Stan Wawrinka siegte in drei Sätzen. Olympia-Silbergewinner Juan Martin Del Potro eliminierte den als Nummer 19 gesetzten US-Amerikaner Steve Johnson in drei Sets. Unter anderem setzte sich auch Kei Nishikori (JPN-6) in vier Sätzen durch. Gegen Mitternacht (Ortszeit) verabschiedete sich mit Alexander Zverev der letzte Deutsche. Die Nummer 27 unterlag dem Briten Daniel Evans 4:6,4:6,7:5,2:6.

Im Damenturnier meisterte Top-Favoritin Serena Williams ihre zweite Hürde sicher mit 6:3,6:3. "Es ist schon anders hier. Weil überall, wo wir sonst spielen, ist es wirklich ruhig. Hier ist es super-laut", meinte die Weltranglisten-Erste nach dem Sieg über ihre Landsfrau Vania King. Williams war mit ihrem Auftritt gar nicht zufrieden und recht selbstkritisch. "Ich finde, es hätte anders ausgehen müssen, ich habe zu viele Fehler gemacht", meinte der 34-jährige US-Superstar.

Dennoch feierte Williams ihren 306. Sieg bei einem Major und egalisierte damit einen Langzeitrekord von Martina Navratilova. Mit fünf weiteren Siegen könnte sie den 23. Major-Titel holen und Steffi Graf hinter sich lassen. Zudem würde sie mit ihrem siebten US-Open-Triumph Chris Evert als Rekordhalterin der Profi-Ära hinter sich lassen.

Auch ihre 36-jährige Schwester Venus Williams, die Nummer sechs des Turniers, sowie die Nummern vier und fünf, Agnieszka Radwanska aus Polen und Simona Halep aus Rumänien, kamen in glatten Zweisatz-Siegen in die dritte Runde. Zu einem "Sister Act" könnte es übrigens im Halbfinale kommen. (APA, red, 2.9.2016)

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