18-jährige Krebspatientin stirbt nach verweigerter Therapie

2. September 2016, 11:26
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Obwohl Ärzte die Eltern einer jungen Italienerin von der Chemotherapie als beste Option für ihre Tochter überzeugen wollten, setzten diese auf den deutschen "Wunderheiler" Hamer

Ein italienisches Elternpaar, das seiner leukämiekranken Tochter eine Chemotherapie verweigert hat, weil es sie nach den Theorien des deutschen "Wunderheilers" Ryke Geerd Hamer behandeln lassen wollte, ist nach dem Tod des 18-jährigen Mädchens unter Druck geraten. Hamer wurde in den 1990er-Jahren durch den "Fall Olivia" in Österreich bekannt.

Trotz der Aufforderung von Ärzten in Padua wollten die Eltern ihrer Tochter keiner Chemotherapie unterziehen. Sie brachten das Mädchen nach der Leukämiediagnose in eine Klinik im Schweizer Bellinzona, wo sie laut italienischen Medien mit Kortison und Vitaminen behandelt wurde.

Die Mediziner in Padua schalteten ein Jugendgericht ein, dieses entzog den Eltern das Fürsorgerecht für das Mädchen. Das Mädchen war inzwischen volljährig geworden und hatte beschlossen, die Behandlung in der Schweiz fortzusetzen. Sie starb starb Mitte August. "Sie hätte sich retten können", behaupten jetzt die Ärzte.

Schocks als Krebsursache

Die Eltern hatten bereits 2013 einen 22-jährigen Sohn wegen eines Hirnschlags verloren. Sie behaupten, dass bei ihrer Tochter der Schock über den Verlust des Bruders die Leukämieerkrankung ausgelöst habe. Hamer geht davon aus, dass seelische Schocks Tumore verursachen können.

Hamer hatte bereits 1995 in Österreich für Schlagzeilen gesorgt, als er den Eltern der damals sechsjährigen krebskranken Niederösterreicherin Olivia von einer schulmedizinischen Behandlung ihrer Tochter abgeraten hatte. Sie flohen mit dem Kind nach Spanien, um die Chemotherapie zu verhindern. Der "Fall Olivia" hatte für ein gewaltiges Medienecho gesorgt – und zwar weit über die Grenzen Österreichs hinaus.

"Krebs-Heilpraktiker" Hamer ist in mehreren europäischen Ländern (u.a. Frankreich und Deutschland) vor Gericht gestanden und zu Haftstrafen verurteilt worden. Geklagt hatten Angehörige mehrerer gestorbener Patienten des ehemaligen Mediziners, die seinen Methoden gefolgt waren und die schulmedizinischen Krebsbehandlungen abgebrochen hatten. Hamer ist unter anderem in Deutschland wegen des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz verurteilt worden und darf auch in Österreich nicht praktizieren. (APA, 2.9.2016)

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