"Survive": Sein, Schein, Show

5. September 2016, 12:54
posten

Alexandra Olivas literarisches Dschungelcamp

Es hätte eine dieser dämlichen TV-Shows werden sollen, ein bisschen härter als Dschungelcamp. Die Typen – vom Hartgesottenen bis zur Tussi – sind gecastet, und nun kann's losgehen mit diversen Survival-Prüfungen irgendwo in der Wildnis der USA. Die Kameraleute filmen die Kandidatinnen beim Unterschlupfbauen, Kräutersammeln und Streiten.

Alexandra Oliva belässt es nicht dabei. Sie entwickelt ein raffiniertes Konglomerat aus Realität und Fiktion, Show und Dystopie. Während die Teilnehmer der "Challenge" sich durch die Natur kämpfen, kommen die Kameraleute abhanden. Eine junge Frau schafft es zu überleben, aber mit der Welt, die sie sieht, stimmt etwas nicht. Sind die leeren Häuser Teil der Show, sind die Leichen kunstvolle Artefakte, damit sich die Zuseher über ihre Panik amüsieren? Und wann ist das Spiel zu Ende?

Man weiß schon nach dem ersten Satz, dass irgendetwas grässlich schiefgehen wird, nur wie und wann, das ist ziemlich abgedreht ausgedacht. Ein ganz feiner Thriller. (Ingeborg Sperl, Album, 5.9.2016)

  • Alexandra Oliva, "Survive". Deutsch: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann. €15,50 / 409 Seiten.  S. Fischer, Frankfurt/Main 2016
    foto: s. fischer

    Alexandra Oliva, "Survive". Deutsch: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann. €15,50 / 409 Seiten. S. Fischer, Frankfurt/Main 2016

Share if you care.