Russland-Sanktionen treffen Wiener Gashändler

2. September 2016, 11:11
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Wiener Gazprombank-Tochter Centrex und "Rettungskomitee" des Österreich-affinen ukrainischen Ex-Premiers Asarow betroffen

Wien/Kiew/Moskau – Mit der Centrex Europe Energy & Gas AG ist auch eine Wiener Firma von neuen US-Wirtschaftssanktionen im Zusammenhang mit der Ukraine betroffen. Sie ist aber nicht der einzige Österreich-Bezug auf der am Donnerstag veröffentlichten Liste: Der Vorsitzende des ebenso sanktionierten "Komitees zur Rettung der Ukraine", Ex-Premier Mykola Asarow, pflegt auch aus dem Moskauer Exil Kontakte nach Wien.

Laut der am Donnerstag veröffentlichten Entscheidung des US-Finanzministeriums ist es amerikanischen Staatsbürgern sowie auf US-Territoriums befindlichen Personen nunmehr untersagt, der Centrex Europe Energy & Gas AG mit Sitz in Wien-Wieden Finanzdienstleistungen und Kredite mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen zur Verfügung zu stellen. Begründet werden diese Sanktionen, mit denen die USA offiziell auf Russlands Vorgehen in der Ukraine reagiert, mit der Verbindung der Gesellschaft zur russischen Gazprombank.

Centrex betreibt Handel mit Erdgas und ist insbesondere in Italien, Österreich, Tschechien, Ungarn und Usbekistan aktiv. Abgesehen von Tochterunternehmen im Ausland besitzt die Firma laut der letzten veröffentlichten Firmenbuchbilanz auch elf Prozent der unterirdischen Gasspeicheranlage im salzburgischen Haidach.

Faible für Wien

Die nunmehr sanktionierte Wiener Firma, die trotz eines Jahresverlusts 2015 von mehr als 9 Millionen Euro durch Gewinnvorträge vergangener Jahre einen kumulierten Bilanzgewinn von mehr als 118 Millionen Euro ausweist, gehört zu hundert Prozent der zypriotischen GPB Investment Advisory Limited. Bei letzterer handelt es um eine Tochter der indirekt vom russischen Staat kontrollierten Gazprombank, die selbst schon seit Sommer 2014 auf einer US-Sanktionsliste steht. Dem Vorstandsvorsitzender der Bank, Andrej Akimow, wird seit sowjetischen Zeiten ein Faible für Österreichs Hauptstadt nachgesagt. Nach Recherchen der Austria Presseagentur besitzt er seit 1991 Immobilienvermögen in der Wiener Innenstadt.

Kontakte nach Wien pflegt aber auch der ukrainische Ex-Premier Mykola Asarow, dessen im russischen Exil gegründetes "Komitee zur Rettung der Ukraine" vom US-Finanzministerium am Donnerstag ebenso mit Wirtschaftssanktionen belegt wurde. Asarow, dessen Familie vor dem Machtwechsel in Kiew bisweilen in Österreich lebte, war nach seiner Flucht nach Russland bereits im März 2014 als Person von den USA sanktioniert worden. Gegen Sanktionen der europäischen Union hatte hingegen sein Wiener Anwalt Gabriel Lansky erfolgreich vor dem europäischen Gericht in Luxemburg prozessiert.

Für Asarows in Wien ansässigen PR-Berater Michael Laubsch kommt die Entscheidung der US-Regierung "sehr überraschend". Die USA hätten eine Nichtregierungsorganisation auf die Sanktionsliste gesetzt, die keine unternehmerische Tätigkeit verfolge, sondern sich für humanitäre Hilfe in der Ukraine einsetze und gesellschaftspolitisch aktiv sei, erklärte der PR-Berater. Laubsch, der in der Vergangenheit wiederholt Presseaussendungen des "Komitees zur Rettung der Ukraine" verbreitet hat, betont, kein Mitglied des sanktionierten Struktur zu sein. Er vertrete lediglich ein davon unabhängiges "Ukraine-Komitee Europa".

In der Ukraine selbst wird der im August 2015 gegründeten Organisation Asarows indes kaum realpolitische Bedeutung zugemessen. "Das Komitee ist ein Scherz", erklärte etwa der Botschafter der Ukraine in Österreich, Olexander Scherba. Der Leiter dieses Komitees sei jemand, der von seinem eigenem Volk vertrieben worden sei und der bei keiner Bevölkerungsgruppe in der Ukraine Autorität genieße, sagte der ukrainische Diplomat. (APA, 2.9.2016)

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