ProSieben/ATV: Behörde müsste Übernahme "sehr eingehend prüfen"

2. September 2016, 08:47
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ProSiebenSat.1 hat dominierende Stellung im TV-Fernsehmarkt bei Werbung, Nummer zwei beim Publikum

Wien – Eigentümer Herbert Kloiber hat den Verkauf von ATV angekündigt, als wahrscheinlichster Interessent wird wie berichtet die Fernsehgruppe ProSiebenSat.1Puls 4 gehandelt. Doch die österreichische Tochter des Münchner Medienkonzerns um ProSieben ist – jedenfalls nach Bruttowerbevolumen – schon größter Player im österreichischen TV-Werbemarkt, und beim Publikum zweitstärkste Gruppe nach dem ORF. Wie sieht die für solche Konzentrationsfragen als Erste zuständige Bundeswettbewerbsbehörde dieses mögliche Betätigungsfeld?

"Kein Kommentar" über Kontakte

Theodor Thanner, als Generaldirektor für Wettbewerb Chef der BWB, will sich auf STANDARD-Anfrage nicht äußern, ob seine Behörde schon mit einem ATV-Verkauf befasst wurde. Nicht selten sondieren Unternehmer und Manager, die einen Zusammenschluss planen, zunächst bei der zuständigen Behörde ihre Chancen für den geplanten Deal. Wurde ATV oder gar Puls 4 schon vorstellig in der Sache? "Kein Kommentar", sagt Thanner.

Die Grundsatzfrage

Und, grundsätzlich gefragt: Wie würde die Behörde einen solchen Fall beurteilen, wenn er auf ihre Agenda kommt? Thanner, der sich mit dem österreichischen Medienmarkt nicht zum ersten Mal beschäftigt, verweist auf die Marktanteile von ProSiebenSat.1Puls 4 insbesondere im Werbemarkt, aber auch beim Publikum. Wie berichtet, erreichte die Fernsehgruppe im Jahr 2015 rund 37 Prozent Marktanteil am Brutto-Werbevolumen im Fernsehen. Im ersten Halbjahr 2016 hatte sie einen (vermarktbaren) Publikumsmarktanteil bei Zuschauern ab zwölf Jahren von 15,3 Prozent. In der Werbezielgruppe rückt sie mit 23,1 Prozent dem Marktführer ORF schon recht nahe.

"Sehr eingehend prüfen"

Thanner klingt nicht, als könnte die Bundeswettbewerbsbehörde einen solchen Zusammenschluss durchwinken, wenn sie ihn auf den Tisch bekommt: Die Wettbewerbsbehörde müsste einen solchen Fall "sehr eingehend prüfen", sagt Thanner, und er klingt eher skeptisch. Ein Fall für das Kartellgericht also? "Das kann man erst nach einer eingehenden Prüfung entscheiden – also wenn wir tatsächlich formell mit einem Zusammenschlussvorhaben befasst werden."

Kann man daraus schließen, dass die Wettbewerbsbehörde mit dem Thema ATV und ProSiebenSat.1Puls4 noch nicht befasst wurde? "Kein Kommentar", wiederholt Thanner.

Kloiber verneinte konkrete Verkaufsgespräche

ProSiebenSat.1Puls4 wollte Übernahmepläne für ATV zuletzt wie berichtet "nicht bestätigen"; ATV-Eigentümer Herbert Kloiber verneinte auf STANDARD-Anfrage konkrete Verkaufsgespräche. (fid, 2.9.2016)

  • "Sehr eingehend prüfen": Theodor Thanner, Chef der Wettbewerbsbehörde, hier in einer Verhandlung gegen Spar vor dem Kartellgericht.
    foto: apa/georg hochmuth

    "Sehr eingehend prüfen": Theodor Thanner, Chef der Wettbewerbsbehörde, hier in einer Verhandlung gegen Spar vor dem Kartellgericht.

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