US-Eliteuniversität will Nachfahren von Sklaven bevorzugen

2. September 2016, 06:02
38 Postings

Georgetown verkaufte insgesamt 272 Menschen – Forschungsprojekt arbeitete Geschichte auf

Washington – Die US-Eliteuniversität Georgetown will für ihre Beteiligung am Sklavenhandel vor 200 Jahren Buße leisten. Die Nachkommen der damaligen Sklaven sollten künftig bei der Zulassung für einen Studienplatz bevorzugt werden, kündigte Universitätspräsident John DeGioia am Donnerstagabend in Washington an.

Zudem solle ein neues Institut zur Erforschung der Sklaverei eingerichtet werden. Gebäude auf dem Campus sollten zu Ehren von Sklaven umbenannt werden, außerdem solle ein Sklaverei-Mahnmal entstehen.

Arbeit auf Plantagen

Die im Jahr 1789 von Jesuiten gegründete Hochschule hatte nach Erkenntnissen von Historikern im Jahr 1838 insgesamt 272 Sklaven verkauft, um ihre Kassen zu füllen. Die Sklaven hatten zuvor auf Plantagen der Jesuiten in Maryland gearbeitet und wurden nach Louisiana im Süden der USA veräußert. Durch das Geschäft nahm die Hochschule Mittel im heutigen Wert von 3,3 Millionen Dollar (rund drei Millionen Euro) ein.

Eine Arbeitsgruppe der Universität hatte sich ein Jahr lang um die Aufarbeitung dieser Geschichte bemüht und dabei auch Nachfahren der damals verkauften Sklaven ausfindig gemacht. Präsident DeGioia hat sich mit mehreren von ihnen getroffen. Die Forscher fanden zudem heraus, dass im frühen 19. Jahrhundert Sklaven auch auf dem Campus der Hochschule eingesetzt worden sind.

Bei der Vorstellung der Befunde bezeichnete DeGioia die Sklaverei als "das Grundübel der frühen Jahre unserer Republik". Die Georgetown-Universität habe daraus Profit geschlagen und zu lange versucht, diese Tatsache totzuschweigen. USA-weit wurde die Sklaverei erst 1865 nach dem Bürgerkrieg abgeschafft. (APA, 2.9.2016)

  • Die Georgetown-Universität, im Bild der Campus von Washington, D.C. aus gesehen, will ihre Beteiligung am Sklavenhandel besser aufarbeiten und späte Wiedergutmachung und leisten.
    foto: apa / afp / karen bleier

    Die Georgetown-Universität, im Bild der Campus von Washington, D.C. aus gesehen, will ihre Beteiligung am Sklavenhandel besser aufarbeiten und späte Wiedergutmachung und leisten.

Share if you care.