Neffos X1 (Max): TP-Link steigt mit Kampfpreis in Smartphone-Markt ein

2. September 2016, 11:23
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Globale Expansion für junge Marke – Österreich-Start der Mittelklasse-Androiden gilt als wahrscheinlich

Vor 20 Jahren ging das chinesische Unternehmen TP-Link mit einer Netzwerkkarte an den Start. Heute kennt man die Firma vor allem für ihre WLAN-Router und anderes Konnektivitätsequipment für zu Hause. Aus dem Smartphone-Geschäft hat man sich lange herausgehalten. Die Marke Neffos wurde erst vor einem Jahr ins Leben gerufen, beschränkte sich aber bisher auf wenige Länder.

Zum runden Jubiläum ändert sich dies nun. Man habe die selbst gesetzte Mission, Computer und Mobilgeräte zu vernetzen, erfolgreich erfüllt, erklärte Mitbegründer und Vorstandschef Jeffrey Chao auf einem Event im Rahmen der IFA in Berlin. 46 Prozent des weltweiten Marktes für Netzwerkgeräte reklamiert TP-Link für sich. Man pflegt Firmenstandorte in 41 Ländern, beschäftigt 23.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2015 zwei Milliarden Dollar Umsatz.

Smartphones als Teil des IoT-Konzepts

Nun setzt man die Segel gen Internet der Dinge. Die Mission, mit der man eine "neue Ära" für den Konzern starten möchte: Alles verbinden, was Daten verschicken kann. Man möchte IoT-kompatible Router – der erste soll im Laufe des vierten Quartals in Nordamerika verfügbar werden – liefern, eine Cloud-Service-Plattform errichten und Smart Home-Produkte bauen. Und auch Smartphones gehören in das Konzept, nämlich als jene Geräte, die den Nutzern als Interface für all diese Geräte und Dinge dienen sollen. Mit zwei neuen Modellen geht Neffos nun global an den Start.

X1 und X1 Max heißen die zwei Geräte, mit denen man eine "starke Marke" schaffen möchte. Mit diesen zielt man allerdings nicht auf das Highend-Segment, sondern die Mittelklasse. Dort sollen die beiden Android-Phones neben ihren technischen Vorzügen auch mit einem attraktiven Preis locken.

neffos

Metallgehäuse, Schnellade-Akku

Beide Modell stecken in einem metallenen Unibody, dessen Design sich laut Erklärung des Ästhetikverantwortlichen an glattgewaschenem Flussgestein orientiert – ähnlich hatte einst Samsung das Aussehen des Galaxy S3 beschrieben. Das Standard-Modell liefert ein Fünf-Zoll-Display mit 720p-Auflösung (1.280 x 720 Pixel). Es misst 142 x 71 x 8 Millimeter. Das "Max" bietet ein 5,5-Zoll-Panel mit 1.920 x 1.080 Pixel und kommt auf 152,8 x 76, 7,8 Millimeter.

Die kleinere Ausgabe gibt es in einer Ausführung mit 16 GB Onboardspeicher und zwei GB RAM sowie 32 GB Speicher und drei GB RAM. Die größere Ausführung ist als 32 GB/3 GB- und 64 GB/4 GB-Kombo zu haben. In beiden Fällen ist eine Erweiterung via microSD-Karte möglich. Unterschiede gibt es auch in der Akku-Dimensionierung. Die beiden Geräte kommen auf 2.250 mAh (X1) bzw. 3.000 mAh (X1 Max). Per Fastcharging können sie binnen 30 Minuten auf 50 Prozent ihrer Kapazität aufgeladen werden.

Zwillinge mit Mittelklasse-Chip

Hinsichtlich der restlichen Spezifikationen gleichen sich die beiden Smartphones. Ihre IPS-Incell-Displays sollen auch unter direktem Sonnenlicht nur minimal reflektieren. Es gibt Support für Offscreen-Gesten wie Doubletap-to-Wake und einen Handschuhmodus für winterlichen Einsatz. Die X1-Handys verfügen außerdem über eine gesonderte Taste, mit der sich das System schnell auf lautlos stellen lässt.

Unter der Haube werkt ein Helio P10-Chipsatz von Mediatek, der einen Ruf als energiesparender Chip mit mittelmäßiger Performance genießt. Neben WLAN (802.11n auf 2,4 und fünf GHz) und 3G bringen die Geräte auch LTE-Support mit, wobei auch das in vielen westlichen Ländern wichtige Band 20 unterstützt wird. Weiters an Bord ist Bluetooth 4.1, nicht jedoch NFC.

Lernender Fingerabdrucksensor, 13-MP-Kamera

Eine durchaus erwähnenswerte Besonderheit verspricht man für den rückseitig gelegenen Fingerabdruckscanner, der hauptsächlicher zur Authentifizierung am Handy dient, aber auch für Sonderfunktionen wie das Schießen von Selfies genutzt werden kann. Von jedem erfolgreichen Scan soll die Software des Handys lernen und den Lesesensor mit der Zeit schneller und zuverlässiger arbeiten lassen.

Kameraseitig hat man sich für einen Sony IMX258-Sensor entschieden, der hinter einer fünfteiligen Linse liegt und Aufnahmen in 13 Megapixel liefert. Unterstützt wird er von Phase Detection-Autofokus und einem Dual-Tone-LED-Blitz. Die Frontkamera arbeitet mit fünf Megapixel und verfügt über einen Live-Verschönerungsfunktion, die sich vor allem an Selfie-Enthusiasten richtet.

Angepasstes Android 6

Vorinstalliert ist Android 6.0.1 mit eigener Oberfläche, die unter anderem ohne Appdrawer auskommt. Dazu soll es im Code der Firmware tausende Änderungen im Vergleich zu einem puren Android-System geben. Auf vorinstallierte Bloatware möchte man allerdings verzichten. Hinsichtlich eines Updates auf das mittlerweile offiziell vorgestellte Android 7.0 "Nougat" könnten Unternehmensvertreter vor Ort Auskunft geben.

Kampfpreis

Einen ungefähren Starttermin gibt es allerdings schon für das Neffox X1 und X1 Max. Sie sollen im Laufe des vierten Quartals erhältlich werden. Das X1 wird ab 199 Euro, das X1 Max ab 249 Euro erhältlich sein, was für Markengeräte mit der gebotenen Hardware durchaus eine Kampfansage ist. Noname-Handys mit ähnlichen Spezifikationen kosten, noch ohne Berücksichtigung von Zollgebühren, nicht viel weniger.

Die Handys gehen in den Farben Grau und Gold an den Start. Definitiv verfügbar werden sie in Deutschland. Über einen Launch in Österreich gibt TP-Link noch keine Auskunft, ein solcher gilt jedoch als "wahrscheinlich".

Hands-on: Gute Verarbeitung fällt auf

In einem kurzen Hands-on nach Ende der Präsentation, die eine einigermaßen deplatziert wirkende Performance einer Tänzergruppe in Aluminium-artiger Bekleidung beinhaltete, ergaben sich noch nicht viele Aufschlüsse über die Handys. Denn die Firmware befindet sich noch in der Entwicklung, entsprechend waren noch so manche Bugs zu bemerken. Auch Aussagen zur tatsächlichen Kameraqualität lassen sich aus diesen Gründen – als auch aufgrund der sehr schwierigen Lichtverhältnisse – noch nicht treffen.

Feststellen lässt sich allerdings, das beide Geräte ordentliche Bildschirme mit sehr guter Maximalhelligkeit mitbringen, auch wenn beide in Sachen Farben und Kontraste es nicht mit Spitzen-Smartphones wie dem Galaxy S7 aufnehmen können. Lob verdient auch die Verarbeitung. Beide Neffos-Handys liegen gut in der Hand und können sich haptisch mit Premium-Geräten messen.

Ob TP-Link seine junge Marke mit den beiden Neuvorstellungen zu weltweiter Bekanntheit bringen wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Das Vorhaben ist jedenfalls ambitioniert, zumal die Konkurrenz im Preisbereich zwischen 150 und 300 Euro immer dichter wird. (Georg Pichler aus Berlin, 02.09.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Reise und Unterbringung in Berlin wurden von Sony übernommen.

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  • Das Neffos X1 kommt im vierten Quartal auf den Markt – wahrscheinlich auch in Österreich.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Neffos X1 kommt im vierten Quartal auf den Markt – wahrscheinlich auch in Österreich.

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