Hofer und Van der Bellen vier Wochen vor der Wahl Kopf an Kopf

2. September 2016, 20:00
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Die Kandidaten polarisieren – weshalb sich zwischen den Lagern bisher wenig verschoben hat

Wien – Umfragen, das kann man gerade im Vorfeld der anstehenden Stichwahl um das Bundespräsidentenamt nicht oft genug sagen, können keine präzise Vorhersage des Wahlergebnisses liefern. Aber, auch das lässt sich gerade jetzt gut zeigen: Umfragen geben gut die Stimmung in der Wählerschaft wieder. Und sie ermöglichen Vergleiche.

Der Meinungsforscher Peter Hajek, der für den Sender ATV den "ATV Österreich Trend" erhebt, kann seine in dieser Woche durchgeführte Umfrage (700 Wahlberechtigte, Schwankungsbreite maximal +/- 3,7 Prozent) mit jener vergleichen, die er am Wahltag im Mai gemacht hat – und dabei feststellen: "Die meisten Wähler haben seit damals ein relativ klares und unverändertes Bild von den Kandidaten."

Gespaltenes Elektorat

Damals wie jetzt hat jeweils etwa die Hälfte der Befragten (mit fast keinen Überschneidungen) von Norbert Hofer eine gute Meinung, die andere Hälfte von Alexander Van der Bellen. Damals wie heute punktet Van der Bellen bei eher urbanen Eliten, Hofer auf dem flachen Land.

Und jeweils dort holen sie auch ihre Stimmen her. Betrachtet man das Wahlverhalten nach soziodemografischen Gruppen, zeigt sich, dass Über-50-Jährige stärker zu Hofer und Unter-50-Jährige (insbesondere Unter-30-Jährige) stärker zu an der Bellen tendieren. Männer zeigen einen leichten Überhang in Richtung Norbert Hofer, während Frauen mehrheitlich Alexander Van der Bellen wählen möchten.

Keine Wahlmüdigkeit

Die Frage, ob die beiden Kandidaten ihre jeweiligen potenziellen Wähler auch an die Urnen bringen können, beantwortet Hajek zurückhaltend: Die Menschen seien "entgegen manchen Unkenrufen" keineswegs wahlmüde, 75 Prozent sagen, dass sie ganz sicher wählen gehen werden, insgesamt 83 Prozent sind mehr oder weniger sicher. Zum Vergleich: Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl betrug 72,7 Prozent. Und die Wahlberechtigten sind sich in einem ähnlich hohen Maß wie kurz vor der Wahl im Mai sicher, wen sie wählen werden.

Dass die eher zu Hofer neigenden Wählerinnen und Wähler sich als nicht ganz so fest entschlossen zeigen, will Hajek nicht überinterpretieren: "Es besteht die Möglichkeit, dass sich Hofer-Wähler hinter der Angabe 'Entscheidung noch nicht ganz fix' verstecken."

Beider Kandidaten ähnlich stark

Und auch das von Hajek erhobene Ergebnis der Sonntagsfrage lässt nur den Schluss zu, dass beide Kandidaten ziemlich gleichauf liegen: Sowohl in den Rohdaten (Van der Bellen 43 Prozent, Hofer 39 Prozent) als auch bei deren Hochschätzung (Van der Bellen 51, Hofer 49 Prozent) lässt die Statistik keine eindeutige Aussage zu.

Wohl aber lässt sich sagen, dass es beiden Kandidaten in hohem Maße gelingt, die "Leihstimmen" (von Wahlberechtigten, die im ersten Wahlgang anders gewählt haben und bei Nationalratswahlen andere Parteien als die der Kandidaten präferieren) zu halten.

Hajek warf für ATV auch einen Blick auf das übrige politische Umfeld: Er misst eine im Vergleich zum Ende der Ära Faymann etwas geringere, aber immer noch hohe Unzufriedenheit mit der Regierung (28 Prozent sind mehr oder weniger zufrieden, 70 Prozent unzufrieden), in der fiktiven Kanzlerfrage liegt Amtsinhaber Christian Kern mit 31 Prozent etwas niedriger als in der vor zwei Wochen durchgeführten Market-Umfrage für den STANDARD – Heinz Christian Strache wird gleichzeitig noch deutlicher auf den zweiten Platz verwiesen (16 Prozent).

Klare Mehrheit für Verschleierungsverbot

Und noch eine Frage stellte Hajek: "Zuletzt wurde viel über die Burka, also die Ganzkörperverschleierung von Frauen diskutiert: Sind Sie für ein Verbot der Burka in Österreich:Ja, unbedingt, eher ja, eher nein oder nein, sicher nicht?" Darauf sagten 41 Prozent, sie seien unbedingt dafür (bei den Hofer-Wählern sind es 63 Prozent, bei den Van der Bellen Wählern immer noch 23 Prozent), weitere 25 Prozent sagen eher ja. Das Verbot wird von Männern wie Frauen etwa gleich, von weniger gebildeten Befragten jedoch deutlich stärker gefordert. (Conrad Seidl, 2.9.2016)

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