Die letzte Ausgabe des "Wirtschaftsblatt"

2. September 2016, 06:46
30 Postings

Appell an Konsumenten und Kunden: "Journalismus ist eine Dienstleistung und kostet Geld"

Wien – Der Götterbotte Hermes, seit 1995 im Logo des "Wirtschaftsblatts", sucht den Ausgang auf der letzten Ausgabe der Wirtschaftstageszeitung. Chefredakteurin Eva Komarek appelliert in ihrem letzten Leitartikel an die Konsumenten und Kunden: "Journalismus ist eine Dienstleistung und kostet Geld." Und: "Qualitätsjournalismus stößt bei der Gratismentalität unserer Zeit an seine Grenzen."

foto: wirtschaftsblatt

Weiters wird noch einmal auf die bewegte Geschichte des Blattes zurückgeblickt und das Zeitungssterben analysiert. Gründungsmitglieder kommen zu Wort, die Redaktion verabschiedet sich, der Schriftsteller Franzobel steuert eine "Ode an das Wirtschaftsblatt" bei.

"Wirtschaftsblatt"-Gründer Chris Radda befürchtet nach dem Ende der Wirtschaftstageszeitung ein "Vakuum für den Medien- und Wirtschaftsstandort". Radda, der das "Wirtschaftsblatt" 1995 gemeinsam mit dem schwedischen Medienkonzern Bonnier gegründet und 2005 an die Styria Media Group verkauft hatte, dementierte, dass das Blatt nie positiv bilanziert habe. "Wir haben nach etwa drei Jahren die Gewinnzone erreicht. Es waren rund sieben Millionen Schilling. Bald darauf hat das aber die Dotcom-Krise relativiert." Die Finanzkrise 2008 habe der Zeitung weiter zugesetzt. "Weil Banken und Versicherungen seitdem ihre Marketing-Etats deutlich zurückgefahren haben."

"Lauf des Lebens"

Gründungsherausgeber Jens Tschebull nennt die Einstellung den "Lauf des Lebens". Die Journalisten des "Wirtschaftsblatts" seien nun "Dünger für den Markt. Wer weiß, vielleicht haben zwei von euch die Königsidee, auf die alle gewartet haben." Die letzte Seite ziert schließlich ein Foto der Redaktion. Und: "Auf Wiedersehen, werte Leser!"

Die Belegschaft versucht nun zusammen mit einem Unterstützungskomitee, eine neue Wirtschaftstageszeitung ohne den bisherigen Mutterkonzern Styria zu starten.

Die Mitarbeiter zeigten sich "empört" über die Führung der Styria, die am Mittwoch dreieinhalb Stunden nach ihrem Angebot zur Übernahme die Einstellung bestätigte. Sie prüften nun "rechtliche Schritte". (red, APA, 1.9.2016)

Mehr zum Ende des "Wirtschafsblatts" und den Plänen für den Neubeginn

STANDARD-Schwerpunkt Wirtschaftsblatt (Link)

Share if you care.