Der intelligente Holzofen

3. September 2016, 12:00
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Christoph Schmidl sorgt dafür, dass Heizungen auch in der Praxis effizient arbeiten

Der alte Holzofen, der von jeher Häuser mit Wärme versorgt, hat dazugelernt: Neue Heizungen, die Holz, Pellets oder andere Biomasse verfeuern, passen sich in vielfältiger Weise an Gebäude und Nutzer an. Selbstlernende Heizsysteme analysieren die Gewohnheiten der Bewohner und berücksichtigen die aktuelle Wettervorhersage, um Räume und Wasser dann mit Wärme zu versorgen, wenn tatsächlich Bedarf da ist. Sie interagieren nahtlos mit Solarthermieanlagen, Energiespeichern und anderen Systemen. Ein Eingreifen des Nutzers, das potenziell die Effizienz einer Heizung schmälert, soll nicht mehr notwendig sein.

Christoph Schmidl ist an der Entwicklung solcher Systeme beteiligt. Der 1982 in St. Pölten geborene Niederösterreicher ist für den wissenschaftlichen Output des Bereichs Biomasseverbrennung und Heizen mit Holz am K1 Forschungszentrum Bioenergy 2020+ in Wieselburg verantwortlich. Die Institution wird im Rahmen des Comet-Programms der Förderagentur FFG von Verkehrs- und Wirtschaftsministerium gefördert. Zusätzlich ist Schmidl Studiengangsleiter für Regenerative Energiesysteme am Wieselburger Campus der Fachhochschule Wiener Neustadt.

Die Herausforderung der aktuellen Entwicklungsarbeit sieht Schmidl unter anderem darin, die Effizienz der Heizungstechnik auch in der täglichen Praxis in den Häusern und Wohnungen zu gewährleisten. "Auf dem Prüfstand sind wir bei Wirkungsgraden von über 90 Prozent", erklärt er. "Jetzt geht es darum, auch im Feld und über das ganze Jahr gesehen hohe Wirkungsgrade zu erreichen."

Dabei soll auch ein eigenes Qualitätslabel helfen, das herausragende Heizsysteme im Bereich erneuerbarer Energien kennzeichnet. Im Rahmen des EU-Projekts "beReal" koordiniert Schmidl internationale Entwicklungsarbeiten hin zu entsprechenden Prüfprozessen, die den praktischen Betrieb bestmöglich abbilden. Als Delegierter der Arbeitsgruppe Biomasse/Verbrennung bei der Internationalen Energieagentur (IEA) vertritt er zudem die österreichische Forschungsarbeit vor einer weltweiten Wissenschaftscommunity.

Schmidls Weg zur Optimierung von Biomasseheizungen führte ihn über ein Produkt des Verbrennungsvorgangs, den Feinstaub. Im Rahmen seiner Dissertation an der TU Wien analysierte er anhand von Außenluftproben die Quellen der Partikel. Nach seiner Forschungstätigkeit an der TU Wien wechselte er an das heutige K1-Zentrum in Wieselburg, das bereits in das Feinstaubprojekt involviert gewesen war. Dort baute er unter anderem als Bereichsmanager die Forschungsgruppe zur Biomasseverbrennung mit auf.

Dass die Chemie sein Thema ist, wurde ihm schon in der Oberstufe klar, blickt Schmidl zurück. Seine Studien führten ihn neben Wien an Hochschulen in Deutschland und Spanien. Das Talent für die Naturwissenschaften bindet ihn jetzt zwar an Schreibtisch und Hörsaal. Zu Hause wartet als Kontrastprogramm aber dafür ein "Hobbybauernhof" mit Mutterkühen, Pferden, Hühnern, Katzen und Hund, den er gemeinsam mit seiner Frau bewirtschaftet. "Für mich ist das ein Kindheitstraum", sagt Schmidl zu der arbeitsreichen Freizeitbeschäftigung, "und auch mein zweijähriger Sohn hilft schon mit." (Alois Pumhösel, 3.9.2016)

  • Christoph Schmidl entwickelt praxisnahe Prüfverfahren  für Biomasseheizungen.
    foto: privat

    Christoph Schmidl entwickelt praxisnahe Prüfverfahren für Biomasseheizungen.

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