Versorgungsengpass droht: Tiroler Landärzte machen online mobil

2. September 2016, 06:00
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Ärztekammer startet Weboffensive. Immer weniger Mediziner sind für Tätigkeit auf dem Land zu begeistern

Innsbruck – In den kommenden zehn Jahren wird Tirol die Hälfte seiner derzeit 200 Landärzte verlieren, da diese in Pension gehen. Das Problem: Es fehlt an Nachwuchs. Zwar würden insgesamt genug Mediziner ausgebildet, sagte der Präsident der Tiroler Ärztekammer Artur Wechselberger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Allerdings sei der Beruf des Landarztes nicht mehr attraktiv, da er mit viel Mehraufwand verbunden sei: "Die Frage ist: Wie begeistern wir junge Menschen für einen Beruf, dem man sich ganz und gar verschreiben muss?" Für Sprengelärzte etwa gilt Erreichbarkeit rund um die Uhr, viele Landärzte müssen heute noch jedes zweite Wochenende Dienst tun, und fachlich sollten sie Alleskönner sein.

Homepage für Erfahrungsaustausch

Mit der neuen Homepage www.landaerzte.tirol will die Kammer das Berufsbild sowie die Probleme des Landarztes bekannter und attraktiver machen. Neben allgemeinen Informationen gibt es auf der Seite eine Kommentarfunktion. Dort sollen sich Patienten, Ärzte, aber auch politisch Verantwortliche über die alltäglichen Schwierigkeiten bei der medizinischen Versorgung ländlicher Gebiete austauschen.

Die Kammer nennt zudem das Kassensystem als Grund für den Ärztemangel: "Wir finden selbst für Städte wie Lienz und Schwaz keine Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag mehr." Zu viel Bürokratie, zu wenig Zeit für die Patienten und zu wenig Ertrag seien Gründe, sich für ein Wahlarztdasein zu entscheiden. "Wir bekennen uns zum System der sozialen Krankenkassen, aber diesem System laufen die Ärzte und Patienten davon", so Wechselberger.

Wertschätzung gefordert

Letztlich sollten auch die Gemeinden dafür sorgen, attraktive Rahmenbedingungen für Landärzte zu schaffen. Gemeindebund-Präsident Ernst Schöpf sieht aber keinen Handlungsbedarf: "Das passiert sowieso, dass die Ärzte etwa mit mietfreien Gemeindebauten unterstützt werden." Er vermutet dahinter vielmehr finanzielle Forderungen: "Wenn von Rahmenbedingungen die Rede ist, heißt das meistens Geld." Schöpf spielt den Ball zurück an die Ärztekammer und fordert mehr Wertschätzung für Landärzte: "Wenn sie in der Kollegenschaft ein besseres Standing hätten, würde es auch helfen." (ars, 2.9.2016)

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