Kitsch und Steirer Nockerln beim chinesischen Laternenfest

Video3. September 2016, 10:08
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Bis Anfang Oktober sind beim "Lunofestival" auf der Donauinsel beleuchtete Seidenskulpturen zu sehen

Wien – Der goldene Affe schenkt einen Pfirsich. Eine Begegnung wie im Traum mit Sanxingdui. Springende Karpfen am Drachentor: So und ähnlich heißen die 31 Installationen, die seit Donnerstag die Wiener Donauinsel erhellen. Die logistische Vorbereitung für "China Magic – Festival des Lichts", eine auch "Lunofestival" genannte Interpretation des über 2.000 Jahre alten chinesischen Laternenfests, war "wahrlich kein Kindernachmittag", schilderte Martin Sörös von Lighternity am Eröffnungstag.

Das chinesische Unternehmen hinter der Veranstaltung ließ nach eineinhalbjähriger Vorbereitungszeit für die Europapremiere 36 Container mit 20 Tonnen Bambus, Stahl und Blechdrähten, 25 Laufkilometern Seide und tausenden Gefäßen aus Glas und Keramik von Chengdou, der Hauptstadt Sichuans, mit dem Zug in das polnische Łódź und von dort mit Sattelschleppern nach Wien transportieren; hier werkten fünf Dutzend chinesische Arbeiter einen Monat lang, um die Kunstwerke wieder zusammenzusetzen.

derstandard.at

18.000 LED-Lämpchen beleuchten nun die bunten Skulpturen, die allerdings nicht nur Affen, Pfirsiche und Karpfen abbilden, sondern teils auch speziell auf den Veranstaltungsort Wien zugeschnitten sind: Eine Variation des Johann-Strauß-Denkmals im Stadtpark und eine 20 Meter hohe Ausgabe der Staatsoper sind bei der bis 9. Oktober laufenden Freiluftveranstaltung zu sehen.

Der Eintrittspreis von 25 Euro pro Erwachsenen umfasst auch abendliche Vorstellungen eines 20-köpfigen Ensembles der Sichuan-Oper, die laut Sörös in der Regel nur in der Region um Chengdou auftritt. In Episoden wird eine Melange aus Akrobatik- und Slapstickshow, Tanz- und Sprechtheater aufgeführt, ehe ein Bläsersolist vor Percussion und feuerschluckende "Bian lian"-Zauberer vor fernöstlichem Schlagertechno auftreten.

foto: maria von usslar

100.000 Besucher erwarten sich die Organisatoren, ihr Ziel sei "aber nicht nur Return on Investment, sondern der Kulturaustausch", sagt Sörös. Konsequenterweise werden im Gastrobereich "steirische und chinesische Spezialitäten", also Nockerln und Wok-Nudeln, angepriesen. Zielgruppe sind Familien und "Leute, die das Schöne lieben und großen Zugang zu Kultur haben", so Sörös. Ob er das alles aber nicht für ein bisschen kitschig hält? "Kitsch ist schön, und wenn Kitsch uns allen Freude macht, warum dann nicht?" (Michael Matzenberger, Maria von Usslar, 3.9.2016)

  • Ein Teeservice aus tausenden Glasstamperln vor der Staatsoper aus Stahl und Seide.
    foto: michael matzenberger

    Ein Teeservice aus tausenden Glasstamperln vor der Staatsoper aus Stahl und Seide.

  • Ebenfalls beim "Lunofestival" zu sehen: ein 30 Meter langer Drache, ...
    foto: michael matzenberger

    Ebenfalls beim "Lunofestival" zu sehen: ein 30 Meter langer Drache, ...

  • ... mehrere Tempel, ...
    foto: michael matzenberger

    ... mehrere Tempel, ...

  • ... Pandabären ...
    foto: michael matzenberger

    ... Pandabären ...

  • ... und anthropomorphe Schweinderl.
    foto: michael matzenberger

    ... und anthropomorphe Schweinderl.

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