Wie gut Supermans Tarnung als Clark Kent funktionieren würde

2. September 2016, 09:00
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Yorker Forscher zeigten ihren Probanden bebrillte und brillenlose Gesichter und ließen sie raten, ob diese zur selben Person gehören

foto: warner bros. pictures/ap/dapd
Geringfügig getarnt: Green Lantern.

York – Im ansonsten vergessenswerten "Green Lantern"-Film von 2011 macht sich die weibliche Hauptfigur über ihren maskierten Freund lustig, ob er denn tatsächlich glaubt, sie würde ihn nicht erkennen, nur weil sie seine Wangenknochen nicht sehen kann. Der Scherz spielt auf ein Thema an, das ungefähr so alt ist wie die Superheldencomics selbst: Warum werden die teilweise äußerst geringfügig maskierten Superhelden in ihren Tarnidentitäten, unter denen sie im Alltag leben, von niemandem erkannt?

Das klassische Beispiel dafür ist Superman, der sich als Clark Kent eine Brille aufsetzt und schon für jedermann völlig anders aussieht. Das erscheint so unglaubwürdig, dass die Superman-Macher Jerry Siegel und Joe Shuster sogar einst eine "Erklärung" nachschoben: Die Brille sei nur Teil eines ganzen Maßnahmenpakets, das insgesamt zur Täuschung ausreicht. So würde sich Kal-El als Clark immer ein bisschen kleiner machen, eine andere Körperhaltung einnehmen und so weiter. Subtil!

Studie zur Wahrnehmung

Dabei steckt in der Brille tatsächlich ein bisschen Macht, wie Forscher der Universität York im Fachmagazin "Applied Cognitive Psychology" berichten und sich dabei explizit auf Superman beziehen. Sie testeten nämlich, wie gut wir Gesichter wiedererkennen können, wenn sie kleinen Veränderungen unterzogen werden – vor allem, wenn sie eine Brille tragen.

Für ihr Experiment zeigten die Wahrnehmungspsychologen um Robin Kramer ihren Probanden Gesichter mit unterschiedlichen natürlichen Ausdrücken – ganz so, wie man sie auf Social-Media-Seiten finden kann. Diese Gesichter bekamen sie jeweils paarweise zu sehen und sollten entscheiden, ob beide zur selben Person gehören. Mal waren die Gesichtspaare in beiden Fällen bebrillt, mal in beiden Fällen brillenlos und in der dritten Variante trug jeweils nur eines davon eine Brille.

Die Ergebnisse: Bei Variante 1 und 2 tippten die Probanden jeweils zu etwa 80 Prozent richtig. War nur eines der Gesichter bebrillt, fiel die Trefferquote hingegen um etwa sechs Prozent. Die Forscher sprechen von einem statistisch relevanten Unterschied.

foto: ap photo/helene davis public relations, joan marcus
Ja, Lois – es ist dieselbe Person.

Kramer betont, dass es sich nicht um eine Jux-Studie handle: Ihre Ergebnisse hätten Bedeutung für Sicherheitsaspekte und sollten in Richtlinien für Ausweisfotos einfließen, um eine zuverlässige Identifizierung zu ermöglichen. Insbesondere jene Staaten sollten das berücksichtigen, die ihre brilletragenden Bürger dazu anhalten, vor dem Schießen eines offiziellen Ausweisfotos die Brille abzunehmen.

Für Superman wiederum bedeutet das, dass seine windige Tarnung tatsächlich einen gewissen Effekt hat – wenn auch nur einen geringfügigen: Etwa drei Viertel der Menschen würden ihn auf einem Foto offenbar auch mit Brille noch erkennen.

Und komplett ausschließen lässt sich laut Studienkoautorin Kay Ritchie, dass Lois Lane ihren Dauerpartner nicht durchschaut. Der verwirrende Effekt einer Brille greift nämlich, wie die Yorker Forschergruppe schon bei früheren Versuchen herausgefunden hat, nur bei Gesichtern, die uns nicht vertraut sind. Davon ist jetzt vermutlich niemand überrascht. (jdo, 2. 9. 2016)

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