Das sind die Strategien eines Schwarzkapplers, nicht gehasst zu werden

Video5. September 2016, 11:45
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Rolf Bauer* ist seit drei Jahren Fahrscheinkontrolleur der Wiener Linien und hat weder Drohbriefe noch eine aufs Auge bekommen. Das hat hauptsächlich zwei Gründe

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Was ein freundliches "Guten Morgen" alles abwenden kann, lernt man, wenn Rolf Bauer* über seinen Alltag als Fahrscheinkontrolleur bei den Wiener Linien spricht. Bauer kann jahrelange Erfahrung im Gastgewerbe bieten, und dort hat sich Freundlichkeit auf das Trinkgeld ausgewirkt. Bei seinem aktuellen Job zahlt sich seine ausgeglichene und freundliche Art ebenfalls aus. Das habe viel mit Höflichkeitsformen, aber auch mit der Stimmlage zu tun. Die Stimme hat Bauer sogar extra trainiert – "weil das ist das Erste, was die Fahrgäste wahrnehmen".

Ihm selbst sei im Dienst nie etwas Gröberes passiert, sehr selten musste er die Polizei hinzuziehen. Dabei könne man "mit einem einzigen Tag im Dienst schon ein Buch füllen", sagt der 42-Jährige, der seinen Namen geändert hat, um anonym zu bleiben.

Anonymität ist der zweite Grund dafür, dass Bauer in seiner Freizeit in Ruhe gelassen wird. Besteht ein wütender Fahrgast auf seinem Namen, bekommt er die Dienstnummer, und dann geht jede weitere Kommunikation über die Zentrale. Selbst der entferntere Bekanntenkreis weiß aus Selbstschutz nicht, was genau Bauer bei den Wiener Linien macht. (Maria von Usslar, 5.9.2016)

* Name geändert

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