Afrikas Elefanten droht die Ausrottung

1. September 2016, 19:30
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Der Great Elephant Census brachte alarmierendes Ergebnis: Im vergangenen Jahrzehnt verschwanden 30 Prozent aller Steppenelefanten

Amherst/Wien – Vor ein paar Jahren noch ließen Meldungen über die stellenweise Erholung von Elefantenbeständen in Afrika so etwas wie verhaltene Hoffnung aufkeimen. Tatsächlich verzeichnete etwa der Chobe National Park in Botsuana nicht unerhebliche Zuwächse: Offiziell lebten dort vor zwei Jahren über 70.000 Steppenelefanten. Gesamtafrikanische Schätzungen beliefen sich auf etwa eine halbe Million Exemplare – und waren damit eklatant zu optimistisch, wie sich nun zeigt.

Die gestern präsentierten Ergebnisse des Great Elephant Census, initiiert von der Organisation Elephants Without Borders, malen nämlich ein weitaus düstereres Bild der Elefantensituation in den Savannen Afrikas: Die erste fundierte Übersicht über die Populationen von Loxodonta africana bestätigt einen substanziellen Einbruch von nahezu einem Drittel im vergangenen Jahrzehnt. Das bedeutet einen jährlichen Rückgang um mindestens acht Prozent.

352.271 gezählte Elefanten

Zwei Jahre lang zählten Forscher vom Flugzeug aus die Dickhäuter in 18 afrikanischen Ländern, und zwar erstmals in diesem Umfang mit modernen standardisierten Verfahren. In diesen Staaten kamen die Ökologen um Michael Chase von Elefant Without Borders in Botsuana und Curt Griffin von der University of Amherst (Massachusetts) auf 352.271 Elefanten, wie sie nun im Fachjournal "PeerJ" berichten. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass sie mindestens 93 Prozent aller tatsächlich in den betreffenden Ländern lebenden Elefanten erfassen konnten.

In jenen 15 Staaten, für die Vergleichsdaten vorhanden sind, gingen die Elefantenbestände allein zwischen 2007 und 2014 um 30 Prozent zurück – ein Schwund, der bisherige Schätzungen weit in den Schatten stellt. Hauptursache ist die seit Jahren zunehmende Wilderei und der entfesselte Hunger nach Elfenbein insbesondere in Asien. Zwar wurden 84 Prozent der Tiere zum Zeitpunkt der Zählung in einem Schutzgebiet angetroffen, doch auch dort kämpfen sie ums Überleben. Das zeigt die hohe Zahl an Kadavern, die die Forscher in den Reservaten ausmachen konnten.

Dem Zensus zufolge ist Botswana mit 130.451 Tieren am dichtesten mit Afrikanischen Elefanten besiedelt, gefolgt von Simbabwe, wo 82.304 Elefanten gezählt wurden. Namibia, das ebenfalls über große Bestände verfügt, führte eine privat finanzierte Zählung durch, stellte das Ergebnis aber nicht dem Great Elephant Census zur Verfügung.

Das Land plant ebenso wie Simbabwe den Handel mit Elfenbein wieder zu legalisieren – im Unterschied zu Kenia (25.959 Elefanten), das auf den Schutz seiner Dickhäuter setzt, um am Tourismus zu verdienen. Am untersten Ende der Bestandsliste rangiert übrigens Äthiopien. Im dortigen Babile Elefanten-Schutzgebiet entdeckten die Wissenschafter nur mehr eine einzige Elefantenherde mit 36 Mitglieder. Es ist die letzte am gesamten Horn von Afrika.

Bedrohte Waldelefanten

Laut einer weiteren aktuellen Studie ringen auch die kleineren Waldelefanten (Loxodonta cyclotis) in Afrika um ihre Existenz. Deren Bestände seien zwischen 2002 und 2013 um 65 Prozent dezimiert worden, heißt es im "Journal of Applied Ecology". Dies wiegt umso schwerer, als die Dschungelbewohner eine äußerst niedrige Geburtenrate aufweisen.

Afrikas Elefanten blicken damit wohl in eine ziemlich ungewisse Zukunft: Sollten verstärkte Schutzmaßnahmen nicht bald zu einer deutlichen Trendumkehr führen, könnten die größten lebenden Landtiere der Erde bereits in wenigen Jahrzehnten für immer Geschichte sein, befürchten die Forscher. (tberg, 1.9.2016)

  • Vor 1980 lebten in Afrika geschätzte 1,3 Millionen Elefanten. Heute streifen nur mehr rund 360.000 Dickhäuter durch die Savannen – und jedes Jahr werden es um acht Prozent weniger.
    foto: kelly landen

    Vor 1980 lebten in Afrika geschätzte 1,3 Millionen Elefanten. Heute streifen nur mehr rund 360.000 Dickhäuter durch die Savannen – und jedes Jahr werden es um acht Prozent weniger.

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