Banken wollen von Negativzinsen für Private nichts wissen

1. September 2016, 14:37
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Deutsche Geldhäuser scheuen die Erhebung von Strafzinsen im Geschäft mit Privatkunden noch

Frankfurt – Deutsche Banken schrecken vor der Erhebung von Strafzinsen im Geschäft mit Privatkunden noch zurück. "Wir alle scheuen die flächendeckende Einführung eines Negativzinses", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, am Donnerstag in Frankfurt. "Diesen Mut sollten wir auch nicht haben." Denn dann drohten viele Kunden ihr Geld von den Konten abzuziehen. "Für den normalen Girokonto-Kunden hätten negative Zinsen Konsequenzen, die wir alle nicht wollen", sagte auch Postbank -Chef Frank Strauß. Die Deutsche-Bank-Tochter hatte für den größten Teil ihrer 5,5 Millionen Girokonto-Kunden Kontoführungsgebühren eingeführt.

Der Chef der Finanzaufsicht BaFin bestärkte die Banken, das Angebot kostenloser Konten zu beenden. "Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen", sagte Felix Hufeld. "Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber nicht auf die Dauer aufrechterhalten." Trotz des harten Wettbewerbs müsse es zu einem Umdenken kommen. Denn die Zinsen dürften dauerhaft niedrig bleiben.

"Verwahrgebühr" für große Guthaben

Die bayerische Raiffeisenbank Gmund hatte im August Aufsehen erregt, weil sie für große Guthaben von mehr als 100.000 Euro eine "Verwahrgebühr" von 0,4 Prozent pro Jahr erhebt – als erste lokale Genossenschaftsbank in Deutschland. Der Bank-Chef habe "in der Sache vielleicht gar nichts falsch gemacht", verteidigte BVR-Präsident Fröhlich die Raiffeisenbank. Andere Banken außerhalb des genossenschaftlichen Sektors machten das auch, nur versteckter. Gebühren von neuen Kunden zu verlangen, die große Summen bei Genossenschaftsbanken parkten, weil sie sie für besonders sicher hielten, sei verständlich, sagte Fröhlich. "Wir sind alle Kaufleute, das ist kein Geschäft."

Die Schuld an der Misere der Banken misst der BVR-Chef EZB-Präsident Mario Draghi zu. Er müsse dringend eine Zinswende einleiten. "Er sitzt schon im Loch, und wenn man im Loch sitzt, sollte man nicht weiter graben", sagte Fröhlich. (Reuters, 1.9.2016)

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