"Wirtschaftsblatt": 24 Millionen Euro laufende Verluste seit 2003

1. September 2016, 14:24
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Eigenkapital war 2014 negativ

Wien/Graz – Das "Wirtschaftsblatt" erscheint am Freitag zum letzten Mal. Für die Eigentümer war die Zeitung ein jahrelanges Verlustgeschäft. Wie aus dem Einzelabschluss im Firmenbuch hervorgeht, hat die Wirtschaftsblatt Medien GmbH von 2003 bis 2014 Verluste (EGT) von fast 24 Millionen Euro angehäuft. In diesem Zeitraum gab kein positives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT).

Die Verluste, die schwierige Marktlage und der Umstand, dass die Kosten des Betriebs auch künftig nicht vom Markt refinanzierbar sind, waren für die Styria Media Group letztlich der Grund für die Einstellung. Der Grazer Verlagskonzern war seit 2006 Alleineigentümer des "Wirtschaftsblatt". Die Styria übernahm damals die 50 Prozent des schwedischen Medienkonzerns Bonnier. Seit der Mehrheitsübernahme hat die Styria laut Vorstandschef Markus Mair mit dem Blatt 17 Millionen Euro verloren.

Das "Wirtschaftblatt" wurde 1995 gegründet. Informationen zu den Ergebnissen vor 2003 sind im Firmencompass nicht verfügbar, ebenso sind auch noch keine Ergebnisse aus dem Geschäftsjahr 2015 eingetragen. Die aktuellsten Zahlen stammen aus 2014. Damals wurde bei einem Umsatz von 11,3 Millionen Euro ein Verlust (EGT) von 2,3 Millionen geschrieben, 2013 gab es ein EGT-Minus von 3,9 Millionen, 2012 eines von 2,6 Millionen Euro.

Negatives Eigenkapital

Mit Jahresende 2014 lag das Eigenkapital bei minus 3,2 Millionen Euro. Wie aus den Erläuterungen zur Bilanz hervorgeht, musste die Styria unter anderem eine Forderung über 4,5 Millionen Euro nachrangig stellen, damit keine insolvenzrechtliche Überschuldung vorlag. Die Styria hatte für das "Wirtschaftsblatt" auch eine Verlustabdeckungszusage bis zu einem Höchstbetrag von 5,5 Millionen Euro abgegeben und 2014 rund zwei Millionen zugeschossen.

1,1 Prozent Reichweite

Auf dem Lesermarkt verliefen die letzten Jahre vergleichsweise stabil. Wochentags wurde die Tageszeitung mit Schwerpunkt auf Wirtschaft und Finanzen im Vorjahr laut Zahlen der Media Analyse von insgesamt 82.000 Personen gelesen. Damit lag das "Wirtschaftsblatt" österreichweit gesehen bei 1,1 Prozent Reichweite, die Freitagausgabe kam auf 1,2 Prozent.

Für das zweite Halbjahr 2015 meldete die Zeitung noch einen Abo-Anstieg um 16 Prozent auf 16.060 Exemplare. Die verkaufte Auflage lag da laut ÖAK (Österreichische Auflagenkontrolle) bei 20.380 Stück. Unter den Lesern zählten 28,9 Prozent zu den Alleinentscheidern. Unter den Bestverdienern mit einem Nettoeinkommen von 4.000 Euro oder mehr schaffte das "Wirtschaftsblatt" eine nationale Reichweite von 6,3 Prozent.

"Österreichs Tageszeitung für Wirtschaft und Finanzen", die zuletzt zwei Euro kostete, erschien zuletzt börsentäglich von Montag bis Freitag, in früheren Jahren erschien die Zeitung von Dienstag bis Samstag. Wichtige Ressortseiten lauteten auf "Unternehmen & Märkte" (mit Osteuropa- und International-Schwerpunkten), "Finanzen & Börse" oder "IT-Business". Auch Meinungsseiten und ein "Businesstalk" sowie ein Nachrichtenüberblick wurden produziert.

Synergien gesucht, Nachlass gefunden

Ab 2013 begann die Styria ihre Bemühungen, "Presse" und "Wirtschaftsblatt" enger zu verzahnen, um Synergien auf der Kostenseite zu heben. In der Wirtschaftsberichterstattung setzt die Styria nun ganz auf die "Presse". Die Wirtschaftsberichterstattung des Traditionsblattes soll ausgebaut werden. Das "Wirtschaftsblatt" wird im Gegenzug eingestellt. Das Digitalportal wirtschaftsblatt.at führt die Styria vorläufig weiter, nach eigenen Angaben, um die Möglichkeiten für die Fortführung als reines Digitalangebot auszuloten. (APA, 1.9.2016)

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