Angst erhöht Nebenwirkungen bei Brustkrebstherapie

1. September 2016, 14:18
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Patientinnen, die das Schlimmste erwarten, haben ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen bei der antihormonellen Brustkrebstherapie, zeigt eine Studie

Die Erwartungen der Patientinnen, bei denen im Rahmen ihrer Brustkrebsbehandlung Hormontherapien wie Tamoxifen eingesetzt wurden, beeinflussen die Anzahl und die Schwere der von ihnen erlebten Nebenwirkungen. Das hat eine Studie unter Leitung von Yvonne Nestoriuc vom Institut und der Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), ergeben. Die Studie wurde jüngst in der onkologischen Fachzeitschrift Annals of Oncology veröffentlicht.

Bei Frauen, die vor Behandlungsbeginn mehr und stärkere Nebenwirkungen erwarteten, traten nach einer Behandlungsdauer von zwei Jahren mit der antihormonellen Therapie tatsächlich mehr Nebenwirkungen auf; es wurden bei ihnen fast doppelt so viele verzeichnet wie bei Frauen mit positiven Erwartungen oder mit einer Erwartung, dass die Nebenwirkungen nicht so stark sein würden.

Das Auftreten einer Vielzahl von Nebenwirkungen oder eine Verschlechterung ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität könnte Frauen unter Umständen dazu veranlassen, die antihormonelle Therapie abzubrechen, was Auswirkungen auf den Behandlungserfolg sowie die Überlebenschancen hätte. Der Einfluss von negativen Erwartungen auf eine erhöhte Nebenwirkungsbelastung und verminderte Lebensqualität legt nahe, dass psychologische Interventionen das Risiko vermindern und zu einer verbesserten Einhaltung der Behandlungsvorgaben beitragen könnten.

Sorgen verringern

Nestoriuc dazu: "Unsere Ergebnisse belegen, dass Erwartungen einen klinisch relevanten Faktor darstellen, der das langfristige Ergebnis der Hormontherapie beeinflusst. Erwartungen können durch psychologische Prävention verändert werden, was die Belastung durch langfristige Nebenwirkungen verringern und damit die Einhaltung von Therapievorgaben optimieren könnte. So ließe sich der Behandlungserfolg bei antihormonellen Therapien steigern".

Die klinische Studie wurde im Brustkrebszentrum der Universität Marburg durchgeführt. Es wurden 111 postoperative Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs aufgenommen, für die der Beginn der antihormonellen Therapie mit Tamoxifen oder mit Aromatasehemmern wie Exemestane angesetzt war. Die Forscher befragten die Patientinnen über ihre Erwartungen bezüglich der Wirkung der antihormonellen Therapie zu Beginn der Studie, es folgten erneute Auswertungen nach drei Monaten (107 Frauen) und nach zwei Jahren (88 Frauen).

Das Team um Nestoriuc führt derzeit im Brustzentrum des UKE eine randomisierte kontrollierte Studie zur Erforschung von Strategien für die Optimierung von Behandlungserwartungen durch. Dazu gehören die Beratung durch Psychologen oder medizinische Fachkräfte unmittelbar vor Behandlungsbeginn sowie während der ersten Monate, Informationen, die die Vorteile der Behandlung hervorheben und deren möglichen Auswirkungen erklären sowie die Vermittlung von Bewältigungsstrategien für Patientinnen im Umgang mit den Nebenwirkungen. (idw, 1.9.2016)

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