Mehr als 400 Menschen im vergangenen Jahr durch Streubomben getötet

1. September 2016, 13:41
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Organisationen beklagen Einsatz vor allem in Syrien und Jemen – Letztes US-Unternehmen stellt Produktion ein

Genf – Mehr als 400 Menschen sind im vergangenen Jahr durch Streubomben getötet worden. Die meisten von ihnen seien in den Kriegsgebieten in Syrien, im Jemen und in der Ukraine ums Leben gekommen, teilte am Donnerstag das Bündnis Cluster Munition Coalition (CMC) mit, das den Einsatz der weltweit geächteten Waffe überwacht. Fast alle Opfer seien Zivilisten gewesen, ein Drittel von ihnen Kinder. Die Zahl der Opfer dürfte dem CMC aber noch weitaus höher sein. Das Bündnis machte in Syrien und im Jemen saudiarabische und syrische Truppen für den Einsatz der Waffe verantwortlich.

In Syrien hätten Angriffe mit Streumunition zugenommen seit Russland die Regierungstruppen des Assad-Regimes unterstützt. "Inzwischen gibt es dort fast täglich Angriffe mit Streumuntion", heißt es im siebenten Jahresbericht der CMC. Im Jemen habe die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition zwischen April 2015 und März 2016 bei mindestens 19 Angriffen Streumunition eingesetzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland dementierten den Gebrauch der Bomben.

Das US-Unternehmen Textron Systems hat indes angekündigt seine Produktion von Streumunition einzustellen. Textron war der letzte Produzent solcher Waffen in den USA. Menschenrechtler begrüßten die Vorgehensweise, wie Kathpress berichtete.

Seite Juni keine US-Lieferungen an Riad

Nun komme es darauf an, dass Länder wie Saudi-Arabien und andere Abnehmer von US-Cluster-Bomben ihre Bestände rasch zerstörten, sagte die für die Beobachtung des Waffenhandels zuständige Expertin von Human Rights Watch (HRW), Mary Wareham, am Donnerstag in Genf. Der Entschluss des Unternehmens erleichtere Präsident Barack Obama sein Vorgehen gegen den Einsatz von Cluster-Munition, so Wareham weiter.

Die US-Regierung untersagte im Juni die Lieferung von Streumunition nach Saudi-Arabien. Zuvor dokumentierten die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International den Einsatz solcher Waffen durch die saudisch geführte Militärkoalition im Jemen, wo auch zahlreiche Zivilisten durch Streubomben getötet wurden.

Unkontrollierte Verteilung

Streubomben gelten als besonders grausame Munition. Sie enthalten mehrere Hundert Bombensplitter, die sich bei der Explosion unkontrolliert über weite Gebiete verteilen, die teils größer als Fußballfelder sind. Auch als Blindgänger sind die Bomben äußerst gefährlich, da sie schwer zu finden und zu entschärfen sind. Ähnlich wie Landminen explodieren sie bei Berührung. Die Opfer werden meist schwer verstümmelt. Kinder halten die Bomben häufig für Spielzeug.

2010 trat das Abkommen zur Ächtung von Streubomben in Kraft und untersagt ihre Lagerung, Produktion und Lieferung. 119 Länder haben das Abkommen unterzeichnet, nicht dazu gehören unter anderem Russland, die USA, China, die Ukraine, Israel, der Iran, Syrien und der Jemen. (Reuters, APA, 1.9.2016)

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